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Ausstellung zur Münchner „Ostforschung“

Die Studierenden des Elitestudiengangs „Osteuropastudien“ haben sich im Rahmen eines Projektkurses mit den Kontinuitäten zwischen NS- und Nachkriegszeit in der Münchner Osteuropaforschung auseinandergesetzt. Unter Leitung von Marie-Janine Calic und Felix Jeschke realisierten sie eine Ausstellung, die von Juli bis Oktober 2025 in den Universitätsbibliotheken in München und Regensburg zu sehen war. Nun ist die Ausstellung auch digital verfügbar.

Die NS-Belastung der Wissenschaft

Im aufziehenden Kalten Krieg nach 1945 wurde München zu einem der führenden Standorte der deutschen „Ostforschung“. Neben Lehrstühlen an der Ludwig-Maximilians-Universität wurden Forschungsinstitute wie das Osteuropa-Institut und das Südost-Institut hier (wieder-)angesiedelt.

Die meisten Protagonisten dieser Forschung – unter anderem Hans Koch, Fritz Valjavec und Georg Stadtmüller – waren vor 1945 zu Handlangern des NS-Regimes geworden, hatten Propaganda verbreitet, Kulturgüter geraubt und sich an der Besatzung Osteuropas beteiligt. Nach Kriegsende konnten sie nicht nur ihre Karrieren fortsetzen, sondern waren oft auch politisch einflussreich tätig: so begleitete Hans Koch 1955 den Bundeskanzler Konrad Adenauer auf dessen Moskaureise. Nicht wenige waren außerdem geheimdienstlich im Sinne des Antikommunismus tätig.

Diese Kontinuitäten in der Geschichte der Wissensproduktion der frühen Bundesrepublik arbeitet die Ausstellung „Unbelastet? Die Münchner Osteuropaforschung in Kriegs- und Nachkriegszeit“ des Elitestudiengangs „Osteuropastudien“ auf. Sie ist nun auch digital verfügbar: https://www.unbelastet-ausstellung.gwi.uni-muenchen.de/.

Text: Felix Jeschke, Elitestudiengang „Osteuropastudien“