Elitenetzwerk: Detail
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Premiere in Belarus

Die jähr­liche Sommer­schu­le des Elite­stu­dien­gangs „Ost­euro­pas­tu­dien“ fand 2019 erst­mals in Bela­rus statt. Ge­meinsam mit Stu­die­ren­den und Do­zen­ten der Fa­kul­tät für In­ter­nati­onale Be­zie­hun­gen der Bela­russi­schen Staatsuni­versi­tät Minsk wur­de das The­ma Uni­ver­sa­lism and Par­ticu­la­rism in the For­eign Po­licy of Eas­tern Eu­ropean Countries dis­ku­tiert.

Austausch mit der BSU Minsk

Einge­teilt war die Sommer­schu­le in drei the­mati­sche Blö­cke: Iden­tity and His­tory, Bela­rus in the In­ter­nati­onal Sys­tem und De­bates in Epis­temic Commu­nit­ies. Un­ter dem Vor­sitz von Pro­fes­sor Mar­tin Schulze Wes­sel wur­de die Erin­ne­rungspoli­tik und Iden­tität im bela­russi­schen Kon­text dis­ku­tiert.

Im zwei­ten Block wur­den ver­schiedene The­men­kom­plexe ange­spro­chen und, oft anek­doten- und de­tail­reich, dis­ku­tiert. Un­ter ande­rem spra­chen wir über den Transport von Atomre­akto­ren, die Ent­wick­lung von Ra­ketensys­te­men und chi­nesi­sche Bat­te­riefabri­ken. Be­son­ders aus­führ­lich gin­gen wir auf die 1990er Jahre in Bela­rus ein, auf die Zäsur 1995/96 (als Prä­si­dent Lu­ka­schenko in zwei um­strit­tenen Volksbe­fra­gun­gen seine Macht fes­tig­te), die Un­voll­stän­dig­keit von Gor­batschows Re­for­men und den nie voll­ende­ten Eli­ten­wechsel. In Be­zug auf die De­bat­ten über epis­temic commu­nities wur­de erör­tert, in­wie­fern es eine eige­ne „rus­si­sche Schule“ der in­ter­nati­ona­len Be­zie­hun­gen ge­ben kann. Am Ende blieb im Grunde nur die Frage of­fen, wie ge­nau man da­mit um­ge­hen soll, wenn der be­auf­trag­te Flo­rist Nie­der­län­der ist.

Erin­ne­rungskul­tur in der „so­zia­listi­schen Mus­ter­stadt“

Span­nen­de Ein­bli­cke in die „so­zia­listi­sche Mus­ter­stadt“ Minsk bot ein Stadtrundgang von Lari­ssa Ko­ro­go­dova. Wir Studierende des Elitestudiengang „Osteuropastudien“, lern­ten die Ar­chi­tek­tur zwi­schen so­zia­listi­schem Rea­lis­mus und re­kon­stru­ierter Alt­stadt so­wie die reli­giöse Posi­tion der Stadt zwi­schen Ka­tholi­zis­mus, or­tho­do­xem Christen­tum und Ju­den­tum ken­nen.

Un­ser Be­such in der Re­si­denz des deut­schen Bot­schafters in Bela­rus, Man­fred Hu­terer, ver­mit­telte uns eine Vor­stel­lung von der poli­ti­schen Ar­beit des Bot­schafters in ei­nem auto­ritär re­gier­ten Staat.

Ein we­sent­licher Be­standteil der Sommer­schu­le stell­te, in Ver­bin­dung mit dem ers­ten the­mati­schen Block zur Iden­tität und Ge­schichte, die bela­russi­sche Erin­ne­rungskul­tur dar. Hier­für tra­fen wir uns mit Akt­euren vor Ort und be­such­ten Ge­denkstät­ten so­wie Erin­ne­rung­sorte. Zent­ral wa­ren hier­bei die in­ter­nati­onale Be­deu­tung der Ge­denkstätte Ma­lyi Tros­tenez und die zwei un­ter­schiedli­chen Ar­ten und Er­fah­run­gen mit Ge­walt und Ter­ror, ver­mit­telt durch die Ge­denkstät­ten Chatyn und Kurapaty.

Text: Maximilian Fixl, Elitestudiengang „Osteuropastudien“