Forschung an der Universität Coimbra
Konkret arbeitete ich in der Arbeitsgruppe von Professor Carlos B. Duarte unter der Betreuung von Dr. Rui O. Costa. Mein Projekt beschäftigte sich mit der Frage, wie Störungen im zellulären Abbau- und Recyclingsystem von Nervenzellen zur Alzheimer-Erkrankung beitragen. Da Neuronen auf effiziente Recyclingmechanismen angewiesen sind, um ihre Funktion über das gesamte Leben hinweg aufrechtzuerhalten, werden Defekte in diesen Prozessen zunehmend als wichtiger Faktor bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer angesehen.
Zur Untersuchung dieser Fragestellung arbeitete ich mit primären Nervenzellkulturen, die Alzheimer-assoziierten Proteinaggregaten ausgesetzt wurden. Mithilfe verschiedener zellbiologischer und mikroskopischer Methoden analysierte ich die dadurch hervorgerufenen Veränderungen in den Zellen. Das Ziel des Projekts ist es, die molekularen Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung besser zu verstehen und langfristig neue Ansatzpunkte für therapeutische Behandlungen zu identifizieren.
Neben der wissenschaftlichen Arbeit schätzte ich besonders die kollegiale Atmosphäre im Labor. Die Aufgaben des täglichen Laborbetriebs wurden von allen Gruppenmitgliedern gemeinsam übernommen, wodurch ich schnell in das Team integriert wurde. Insgesamt gewann ich wertvolle Einblicke in die Forschungskultur eines anderen Landes und insbesondere in die Arbeit in einem internationalen Forschungsumfeld.
Auch außerhalb des Labors war die Zeit in Coimbra eine große Bereicherung. Die Stadt verbindet eine einzigartige akademische Tradition mit einer offenen und internationalen Atmosphäre. Durch meine Labor Freunde, Erasmus-Studierende und viele gemeinsame Abende in der Stadt lernte ich schnell interessante Menschen aus unterschiedlichsten Ländern kennen und baute einen großen Freundeskreis auf. Die flexible Gestaltung meines Praktikums ermöglichte es mir außerdem, viele Wochenenden für Reisen innerhalb Portugals zu nutzen. Dank günstiger Fernbusverbindungen lassen sich die verschiedenen Regionen des Landes unkompliziert erkunden. Darüber hinaus nahm ich regelmäßig an Veranstaltungen des Erasmus Student Network (ESN) teil und lief mit dem lokalen Laufclub Runaway, wo ich viele Gleichgesinnte kennenlernte. Zum ersten Mal nahm ich außerdem an mehreren 10-Kilometer-Läufen in Coimbra und umliegenden Städten teil.
Besonders beeindruckt hat mich die lebendige Studierendenkultur Coimbras. Traditionen, Musik und zahlreiche Veranstaltungen prägen das Stadtbild und den Alltag der Studierenden. Ein besonderes Highlight war für mich die Queima das Fitas, eines der größten Studierendenfeste Portugals, das ich gegen Ende meines Aufenthalts miterleben durfte. Es bildete einen unvergesslichen Abschluss meiner Zeit in Portugal. Insgesamt war meine Zeit in Coimbra eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Ich habe viele großartige Menschen kennengelernt, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe, und bin dankbar für all die Möglichkeiten, Erfahrungen und Erinnerungen, die mir das Elitenetzwerk Bayern und mein Elitestudiengang „Translational Neuroscience“ mit diesem Praktikum ermöglicht haben.
Text: Chiara Spear, Elitestudiengang „Translational Neuroscience“