Eine interdisziplinäre Sicht auf Asphalt
Der Workshop näherte sich dem häufig als profan erachteten Material Asphalt aus wissenschaftlicher, künstlerischer und aktivistischer Perspektive. Dabei verbanden sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse zur Chemie des Stoffes (Prof. Jens Soentgen) mit historischen, kulturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Betrachtungen und eröffneten so ganz neue Sichtweisen auf ein Material, das unseren Alltag und unsere Städte maßgeblich prägt.
Zu Beginn erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Entstehung, Zusammensetzung und Verarbeitung von Asphalt und erkundeten verschiedene Asphaltflächen in der unmittelbaren Umgebung. Im Augsburger Asphaltmischwerk standen die technischen Prozesse hinter dem zu 100 % recyclebaren Material im Fokus. Im Gespräch mit dem Augsburger Professor für Resource and Chemical Engineering, Daniel Vollprecht, und Lioba Huss von der Koblenzer Initiative „abpflastern“ diskutierten die Teilnehmenden, warum Asphalt dennoch enorme ökologische Herausforderungen mit sich bringt – Stichwörter Flächenversiegelung, Klimawandel und Biodiversitätsschwund.
Die Umwelthistorikerin und Sprecherin des Internationalen Doktorandenkollegs „Um(Welt)Denken“, Prof. Simone Müller, und die Kulturwissenschaftlerin PD Dr. Kirsten Twelbeck beleuchteten die globale Verbreitung von Asphalt und die kulturelle Codierung dieses allgegenwärtigen Stoffes. Asphalt entpuppte sich dabei als Verkörperung einer höchst ambivalenten Vorstellung von Mobilität, technischem Fortschritt und gesellschaftlicher Modernisierung.
Die Arbeiten der Künstlerin Folke Köbberling greifen diese Ambivalenz auf und treiben sie in Gestalt des Autos gestalterisch auf die Spitze. Diese künstlerischen Annäherungen laden nicht nur dazu ein, Asphalt im Stadtraum bewusst wahrzunehmen, sondern stellen auch wichtige Fragen nach den Methoden des Erforschens, Erfühlens und Transformierens.
Der Workshop „Asphalted Planet“ machte deutlich, dass Asphalt weit mehr ist als ein alltäglicher Baustoff: Er verbindet technische, ökologische und kulturelle Fragestellungen und regte zu neuen und ungewöhnlichen Perspektiven auf die Gestaltung urbaner Lebensräume und Infrastruktur an.
Text: Kirsten Twelbeck, Internationales Doktorandenkolleg „Um(welt)denken“