Die Komplexität entschlüsseln: Genetik und Immunität
Unter dem Leitthema „Mechanisms, treatment and innovative approaches“ bot die Veranstaltung einen tiefen Einblick in das komplexe Krankheitsbild der Herzinsuffizienz. Den Auftakt bildete eine Führung durch die Core Facilities des DZHI unter Leitung von Prof. Christoph Maack. Nach diesem Einblick in die Infrastruktur wurde das wissenschaftliche Programm mit einem umfassenden Blick auf die "Epidemie" Herzinsuffizienz eröffnet. Prof. Stefan Störk (DZHI, Würzburg) hob die Komplexität der Erkrankung hervor, die häufig von Komorbiditäten bestimmt wird und eine präzise Phänotypisierung erfordert.
Ein Schwerpunkt lag auf den biologischen Ursachen der Erkrankung: Prof. Brenda Gerull (DZHI, Würzburg) erörterte die genetischen Ursachen von Kardiomyopathien und die rasante Entwicklung diagnostischer Verfahren wie dem Next Generation Sequencing. Sie skizzierte zukunftsweisende Therapieziele, darunter Genersatz- und Gene-Editing-Technologien, die Hoffnung auf die Korrektur erblicher Defekte geben.
Mit einem Wechsel der Perspektive hin zur translationalen Forschung untersuchte Prof. Gustavo Ramos (DZHI, Würzburg) die körpereigene Immunantwort auf Herzverletzungen. Sein Vortrag über die Rolle von Makrophagen und T-Zellen bei der Gewebereparatur verdeutlichte, wie das Immunsystem zur Unterstützung der kardialen Heilung genutzt werden könnte. Dieser interdisziplinäre Ansatz wurde von Dr. Jorge Pagola (Vall d'Hebron, Barcelona) vertieft, der die kritische "Herz-Hirn-Interaktion" beleuchtete – insbesondere den Zusammenhang zwischen Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko.
Innovative Therapien und digitale Transformation
Der zweite Tag widmete sich neuen Behandlungsstrategien und der digitalen Zukunft der Medizin. PD Carolin Morbach (UKW, DZHI, Würzburg) stellte das Beispiel der Amyloidose vor und zeigte auf, wie sich eine einst fatale Diagnose dank innovativer Substanzen zu einer behandelbaren Erkrankung wandelt.
Ein besonderes Highlight war die Integration digitaler Werkzeuge in die Therapie. Prof. Rüdiger Pryss (JMU, IKE-B, Würzburg) erläuterte das Potenzial medizinischer Apps, wie etwa digital unterstützte 6-Minuten-Gehtests mittels Smartphones und Wearables. Diese Technologien zielen darauf ab, die Lücke zwischen dem klinischen Umfeld und dem Alltag der Patienten zu schließen. Innovation erfordert jedoch auch Infrastruktur und Vertrauen. Prof. Claudia Hanson (Karolinska Institutet, Stockholm) bot einen vergleichenden Blick auf das "Öffentliche Vertrauen in Gesundheitsdaten" am Beispiel des schwedischen Modells umfassender Qualitätsregister.
Im Bereich der Versorgungsstrukturen stellten Prof. Stefan Störk und Martha Schutzmeier (JMU, IKE-B, Würzburg) das Projekt „HI-PLUS“ vor. Diese bundesweite, cluster-randomisierte Studie untersucht, ob die Versorgung bei Herzinsuffizienz durch ein optimiertes Case Management unter Einbeziehung von spezialisiertem nicht-ärztlichem Fachpersonal (HI-MFA) und einer eHealth-Plattform verbessert werden kann. Ziel ist es, die Versorgungsqualität zu steigern und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren. Abschließend diskutierte Prof. Frank Breuckmann (Klinikum Kitzinger Land) die Organisation von Krankenhäusern und ambulanten Einrichtungen, um bessere Übergänge in der Versorgung sicherzustellen.
Neben den Expertenvorträgen diente die Winter School als lebendige Plattform für die nächste Generation von Forschenden. In einer eigenen Postersession präsentierten Studierende des Elitestudiengangs „Translational Medicine“ weitere Themen rund um die Herzinsuffizienz und regten damit lebhafte Diskussionen an. Prof. Peter Heuschmann (JMU, IKE-B, Würzburg) beschloss die Veranstaltung mit der Betonung, dass die Bewältigung der Herzinsuffizienz eine gemeinschaftliche Anstrengung erfordert.
Text: Steffi Jírů-Hillmann, Elitestudiengang „Translational Medicine“