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75. Lindauer Nobelpreisträgertagung – Impulse für die Forschung von morgen

Die 75. Jubi­läumsta­gung der Lin­dauer No­bel­preis­trä­gertagun­gen von 28. Juni bis 3. Juli 2026 ver­sammelte rund 70 No­bel­preis­trä­ge­rin­nen und -preis­trä­ger so­wie über 600 Nachwuchsfor­schende aus mehr als 80 Län­dern zu einer Wo­che mit Vor­trä­gen, Dis­kus­si­ons­run­den und in­for­mel­len Be­geg­nun­gen. Die in­ter­dis­zipli­näre Kon­fe­renz stand unter dem Leit­the­ma „Sci­ence Transcending Bor­ders“. 10 Mit­glie­der des Eli­te­netzwerks wur­den zur Teil­nah­me aus­ge­wählt und konnten die Wo­che nut­zen, um ihre Per­spek­tiven und ihr Netzwerk zu er­wei­tern. Si­mon An­ge­rer, Alumnus des Elite­stu­dien­gangs „Ad­van­ced Syn­thesis and Cata­lysis“ und Dok­to­rand an der Uni­versi­tät Re­gensburg, be­rich­tet von sei­nen Er­fah­run­gen.

Der Lindau Spirit

Die Teil­nah­me an der 75. Lin­dauer No­bel­preis­trä­gertagung war für mich eine ganz be­son­dere Er­fah­rung. So­wohl fach­lich, per­sön­lich als auch mensch­lich. Als jun­ger Wis­sen­schaft­ler aus Bay­ern hatte ich die Mög­lich­keit, No­bel­preis­trä­ge­rin­nen und No­bel­preis­trä­ger zu tref­fen, junge For­schen­de aus aller Welt ken­nen­zu­ler­nen und den be­son­deren „Lindau Spi­rit“ selbst zu erle­ben. Be­son­ders be­ein­druckt hat mich die au­ßer­ge­wöhnli­che Of­fen­heit der ge­sam­ten Commu­nity. Die Ta­gung brachte Men­schen aus un­ter­schied­lich­sten Län­dern, Dis­zipli­nen und Ge­nera­tio­nen zu­sammen. Da­bei ent­stan­den schnell Ge­sprä­che, die weit über die eige­ne For­schung hin­aus­gin­gen.

Wertvolle Begegnungen

Ein be­son­deres Highlight mei­ner Er­fah­rung wa­ren die Be­geg­nun­gen mit den ande­ren jun­gen Wis­sen­schaftle­rin­nen und Wis­sen­schaftlern. Ich konnte viele spannen­de Men­schen ken­nen­ler­nen und dabei nicht nur wertvolle wis­sen­schaftliche Kon­takte, son­dern auch echte Freund­schaf­ten auf­bau­en. Be­son­ders schön wa­ren die Be­geg­nun­gen mit For­schen­den aus mei­nem eige­nen Fachge­biet. In ei­nem Ge­spräch stell­te ich bei­spielswei­se fest, dass mein Ge­sprächspartner sogar eine mei­ner Pub­lika­tio­nen gele­sen hatte. Zu erle­ben, dass die eige­ne For­schung je­man­den auf der ande­ren Seite der Welt er­reicht und so zu einer per­sön­li­chen Be­geg­nung führt, war für mich ein ganz be­son­derer Mo­ment. Gleich­zei­tig ha­ben mich die Ge­sprä­che mit For­schenden aus ande­ren Dis­zipli­nen sehr inspi­riert. Ob­wohl wir teil­wei­se an völ­lig un­ter­schiedli­chen Fra­ge­stel­lun­gen ar­bei­ten, führ­ten die Dis­kus­sio­nen im­mer wie­der zu neu­en Per­spek­tiven und Ideen für die eige­ne For­schung. Ge­rade die­ser in­ter­dis­zipli­näre Aus­tausch hat die Ta­gung für mich so wertvoll ge­macht.

Den Vorbildern ganz nah

Auch die Be­geg­nun­gen mit den No­bel­preis­trä­ge­rin­nen und No­bel­preis­trä­gern wa­ren be­ein­dru­ckend. Be­son­ders inspi­rie­rend war für mich das Tref­fen mit Bar­ry Sharpless, des­sen For­schung enge Ver­bin­dun­gen zu mei­nem eige­nen For­schungs­ge­biet in der Chemie auf­weist. Ei­nen Wis­sen­schaftler per­sön­lich zu tref­fen, des­sen Ar­bei­ten man selbst aus dem eige­nen For­schungsalltag kennt und die das eige­ne Fachge­biet ge­prägt ha­ben, war sehr mo­tivie­rend. Gleichzei­tig wa­ren die per­sön­li­chen Ein­bli­cke in ihre wis­sen­schaftli­chen We­ge eine wertvolle Erin­ne­rung da­ran, dass gro­ße wis­sen­schaftliche Er­folge auf Neu­gier, Aus­dauer und vie­len Jah­ren in­ten­siver Ar­beit be­ru­hen.

Bewährungsprobe an einem besonderen Abend

Ein ganz ande­res, aber ebenso un­ver­gess­li­ches Highlight war der Bay­eri­sche Abend. Ich hatte die gro­ße Ehre, für den tradi­tio­nel­len Fass­an­stich aus­ge­wählt zu wer­den. Dar­über habe ich mich sehr ge­freut und war gleichzei­tig ziem­lich ner­vös. Vor Wis­sen­schaftle­rin­nen und Wis­sen­schaftlern aus aller Welt den Fass­an­stich zu über­neh­men, war schließ­lich keine all­tägli­che Auf­gabe. Zum Glück hat alles funk­tio­niert, und die Ner­vosi­tät war schnell ver­ges­sen. Be­son­ders schön war es, die Wis­sen­schaftle­rin­nen und Wis­sen­schaftler in ihren tradi­tio­nel­len Trachten zu se­hen, mit­ei­nan­der zu fei­ern und sich in einer un­ge­zwunge­nen At­mosphäre aus­zu­tau­schen.

Verbindungen, die bleiben

Aus Lindau neh­me ich des­halb weit mehr mit als neue wis­sen­schaftliche Im­pul­se. Ich neh­me neue Ideen, wertvolle Kon­takte und vor allem viele per­sön­liche Be­geg­nun­gen und Freundschaf­ten mit. Mein be­son­derer Dank gilt den Lindau No­bel Lau­reate Mee­tings für die her­aus­ra­gen­de Or­gani­sati­on und die Mög­lich­keit, eine so ein­zig­artige Wo­che erle­ben zu dür­fen. Ebenso möchte ich dem Eli­te­netzwerk Bay­ern herz­lich dafür dan­ken, mei­ne Teil­nah­me fi­nan­ziell un­ter­stützt und diese au­ßer­ge­wöhnli­che Er­fah­rung für mich mög­lich ge­macht zu ha­ben. Für mich steht der „Lindau Spi­rit“ ge­nau da­für: Wis­sen­schaft bringt Men­schen zu­sammen – über Dis­zipli­nen, Kul­turen und Ge­nera­tio­nen hin­weg. Und manchmal ent­ste­hen aus ei­nem wis­sen­schaftli­chen Ge­spräch nicht nur neue Ideen, son­dern auch Freundschaf­ten und Ver­bin­dun­gen, die weit über Lindau hin­aus­rei­chen.

Text: Simon Angerer, Alumnus des Elitestudiengangs „Advanced Synthesis and Catalysis“