Die Teilnahme an der 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Sowohl fachlich, persönlich als auch menschlich. Als junger Wissenschaftler aus Bayern hatte ich die Möglichkeit, Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger zu treffen, junge Forschende aus aller Welt kennenzulernen und den besonderen „Lindau Spirit“ selbst zu erleben. Besonders beeindruckt hat mich die außergewöhnliche Offenheit der gesamten Community. Die Tagung brachte Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, Disziplinen und Generationen zusammen. Dabei entstanden schnell Gespräche, die weit über die eigene Forschung hinausgingen.
Ein besonderes Highlight meiner Erfahrung waren die Begegnungen mit den anderen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Ich konnte viele spannende Menschen kennenlernen und dabei nicht nur wertvolle wissenschaftliche Kontakte, sondern auch echte Freundschaften aufbauen. Besonders schön waren die Begegnungen mit Forschenden aus meinem eigenen Fachgebiet. In einem Gespräch stellte ich beispielsweise fest, dass mein Gesprächspartner sogar eine meiner Publikationen gelesen hatte. Zu erleben, dass die eigene Forschung jemanden auf der anderen Seite der Welt erreicht und so zu einer persönlichen Begegnung führt, war für mich ein ganz besonderer Moment. Gleichzeitig haben mich die Gespräche mit Forschenden aus anderen Disziplinen sehr inspiriert. Obwohl wir teilweise an völlig unterschiedlichen Fragestellungen arbeiten, führten die Diskussionen immer wieder zu neuen Perspektiven und Ideen für die eigene Forschung. Gerade dieser interdisziplinäre Austausch hat die Tagung für mich so wertvoll gemacht.
Auch die Begegnungen mit den Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern waren beeindruckend. Besonders inspirierend war für mich das Treffen mit Barry Sharpless, dessen Forschung enge Verbindungen zu meinem eigenen Forschungsgebiet in der Chemie aufweist. Einen Wissenschaftler persönlich zu treffen, dessen Arbeiten man selbst aus dem eigenen Forschungsalltag kennt und die das eigene Fachgebiet geprägt haben, war sehr motivierend. Gleichzeitig waren die persönlichen Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege eine wertvolle Erinnerung daran, dass große wissenschaftliche Erfolge auf Neugier, Ausdauer und vielen Jahren intensiver Arbeit beruhen.
Bewährungsprobe an einem besonderen Abend
Ein ganz anderes, aber ebenso unvergessliches Highlight war der Bayerische Abend. Ich hatte die große Ehre, für den traditionellen Fassanstich ausgewählt zu werden. Darüber habe ich mich sehr gefreut und war gleichzeitig ziemlich nervös. Vor Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt den Fassanstich zu übernehmen, war schließlich keine alltägliche Aufgabe. Zum Glück hat alles funktioniert, und die Nervosität war schnell vergessen. Besonders schön war es, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren traditionellen Trachten zu sehen, miteinander zu feiern und sich in einer ungezwungenen Atmosphäre auszutauschen.
Verbindungen, die bleiben
Aus Lindau nehme ich deshalb weit mehr mit als neue wissenschaftliche Impulse. Ich nehme neue Ideen, wertvolle Kontakte und vor allem viele persönliche Begegnungen und Freundschaften mit. Mein besonderer Dank gilt den Lindau Nobel Laureate Meetings für die herausragende Organisation und die Möglichkeit, eine so einzigartige Woche erleben zu dürfen. Ebenso möchte ich dem Elitenetzwerk Bayern herzlich dafür danken, meine Teilnahme finanziell unterstützt und diese außergewöhnliche Erfahrung für mich möglich gemacht zu haben. Für mich steht der „Lindau Spirit“ genau dafür: Wissenschaft bringt Menschen zusammen – über Disziplinen, Kulturen und Generationen hinweg. Und manchmal entstehen aus einem wissenschaftlichen Gespräch nicht nur neue Ideen, sondern auch Freundschaften und Verbindungen, die weit über Lindau hinausreichen.
Text: Simon Angerer, Alumnus des Elitestudiengangs „Advanced Synthesis and Catalysis“