Elitenetzwerk: Developmental Origins of Human Normativity

Developmental Origins of Human Normativity

In allen menschlichen Gesellschaften findet man soziale Normen und Regeln, die be­stimmte Ver­haltensweisen vorschreiben oder verbieten. Jedoch sind Normen nicht in un­ser­em genetischen Code enthalten – vielmehr etablieren Menschen Normen und geben sie weiter. Wie entwickeln Kinder ein Ver­ständ­nis von Normen? Was sind die psy­cho­lo­gisch­en Grundlagen, die es uns erlauben, zwischen „Richtig“ und „Falsch“ zu un­ter­schei­den? Dies sind die Leit­fragen unserer Forschung.

Die Nachwuchs­forschungs­gruppe in der Übersicht

StandortLudwig-Maximilians-Universität München
AnbindungInternationales Doktorandenkolleg „REASON”
Projektdauer 2015 bis 2021
LeitungProf. Dr. Marco F. H. Schmidt
E-Mail an Prof. Dr. Marco Schmidt senden

Das Phänomen Normativität

Wir verstehen Normativität nicht als isoliertes Phä­no­men, sondern als grundlegend ver­woben mit Theory of Mind und, im weiteren Sinne, mit Er­kennt­nis­theo­rie. Der Grund hier­für ist, dass wir im Alltag keine „Nor­men“ (ein abstrakter Begriff), sondern ein­zel­ne Hand­lung­en im Hier und Jetzt von ein­zel­nen Men­schen mit bestimmten Über­zeu­gun­gen, Wün­schen und Ab­sich­ten sehen. Daher müs­sen Kinder ein Wis­sens­pro­blem lösen, näm­lich er­schlie­ßen, ob eine bestimmte Hand­lung einer all­ge­mei­nen Norm unterliegt oder nicht. Über das Er­schlie­ßen von Nor­men hinaus ist ein Verständnis von Nor­ma­ti­vi­tät auch dadurch ge­kenn­zeich­net, dass man normative Phänomene als men­schen­ge­mach­te soziale Fakten ansieht, die geändert oder unter bestimmten Be­ding­ung­en ins Leben ge­rufen werden können – zum Bei­spiel, indem wir unsere Über­zeu­gun­gen, Wünschen und Absichten ge­mein­sam aus­rich­ten. Aber etwas fehlt. Wir verstehen Normativität nicht nur theoretisch, sondern wir interessieren uns auch praktisch dafür. Insbesondere sind wir mo­ti­viert, Normen zu befolgen, andere, die Normen brechen, zu kor­ri­gie­ren oder zu bestrafen und somit ge­mein­same Prak­ti­ken und Wer­te selbst unter persönlichen Kosten hoch­zu­hal­ten. Das heißt, Nor­ma­ti­vi­tät – ganz au­gen­schein­lich Moral – hängt auch mit Prosozialität zusammen.

Unsere Internationale Nach­wuchs­for­schungs­gruppe untersucht die Ent­wick­lung unserer „Norm-Psy­cho­lo­gie“ im engen Zusammenhang mit Theory of Mind, Er­kennt­nis­theo­rie und Prosozialität. Wir ver­wenden eine Reihe von unterschiedlichen em­pi­rischen Metho­den (z.B. Eye-Tracking oder in­ter­ak­ti­ve Aufgaben, die All­tags­si­tu­a­ti­on­en si­mu­lie­ren), um einige wichtige und zusammenhängende Fragen über die Ur­sprün­ge menschlicher Nor­ma­tivität anzugehen.

Ziel und Ausrichtung der Nach­wuchs­­forschungs­­gruppe

Ziel unserer Nach­wuchs­forschungs­gruppe ist es, den Grundstein für die Entwicklung eines in­te­gra­ti­ven theoretischen Rahmenwerks über men­schliche Normativität inklusive Verbindungen zu Er­kennt­nis­theo­rie und Prosozialität zu legen, welches weitere in­te­gra­tive Forschung mo­ti­vie­ren soll.


Solch ein Rahmenwerk kann unser Ver­ständ­nis der psychologischen Grundlagen ver­bes­sern, die uner­läss­lich sind für die mensch­liche Fähig­keit zu koope­rie­ren, soziale In­sti­tu­tio­nen zu bilden, von anderen zu lernen und kulturelles Wissen gemeinsam zu mehren. Unsere Forschung ist inhärent inter­diszi­plinär und liegt mithin an der Schnitt­stelle von Sozial-, Geistes- (insbesondere Philosophie) und Natur­wissen­schaften.

Porträtfoto: Prof. Dr. Marco F. H. Schmidt

Die Gruppe widmet sich den entwicklungspsycho­logischen Grundlagen von Normativität und damit auch der Fra­ge, wie menschliche Kooperation, Moralsysteme und Ge­sell­schaften sowie soziale Institutionen etabliert und tra­diert werden.

Prof. Dr. Marco F. H. Schmidt

Die Inter­nationale Nach­wuchs­for­schungs­gruppe kooperiert eng mit dem In­ter­na­tio­nalen Dok­to­ran­den­kolleg „REASON“ und ist an das Department Psychologie angegliedert.

Weitere Kooperationen

Max Planck-Institut für evolutionäre AnthropologieLeipzig, Deutschland
Harvard UniversityCambridge, USA 
Universität der AndenBogota, Kolumbien
Universität Essen-DuisburgEssen, Deutschland
Universität von KalifornienBerkeley, USA
Universität von KentCanterbury, Großbritannien
Universität von MarylandCollege Park, USA
Universität LeipzigLeipzig, Deutschland