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News from the Research Scholarship holders and the International Junior Research Groups

Internationale Tagung „Object Fantasies. Forms & Fictions“

Vom 7. bis 9. Oktober fand die internationale Tagung „Object Fantasies. Forms & Fictions“ im Center for Advanced Studies (LMU) statt, die von der Nachwuchsforschergruppe „Vormoderne Objekte – Eine Archäologie der Erfahrung“ veranstaltet wurde.

Für die interdisziplinäre Tagung sind Kunsthistoriker, Historiker, Literaturwissenschaftler, Medienwissenschaftler, Semiologen und Anthropologen aus den USA, Kanada, England, Frankreich, der Schweiz und Deutschland angereist.

Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung der Nachwuchsforschergruppe wurde das Kernthema durch ihren Leiter Philippe Cordez und die Postdoktorandin der Gruppe Julia Saviello exemplarisch vorgestellt: Am Ausgangspunkt der Tagung stand die Frage nach dem Schöpferischen in der Rezeption und Konstruktion von Objekten, und dem Potential der Fantasie, Grenzen zwischen Objektgattungen oder zwischen Objekten und Lebewesen zu verwischen. Die Vorträge umspannten innerhalb eines breiten historischen Rahmens eben solche Objektfantasien, von der Entstehungszeit der antiken Münze im 6. Jahrhundert v. Chr. bis zu der Rolle von Objekten als Datenträgern der Erinnerung menschlichen Lebens in Science-Fiction-Filmen des 20./ 21. Jahrhunderts.

Der wesentliche methodische Impuls für die Tagung ging von der Keynote Lecture „Realising Fantasies, Unveiling Creations: Objects as Processes Made Things“ des Kunst- und Technikanthropologen Ludovic Coupaye der University of London aus. Coupaye legte methodische Defizite der kontemporären Objektforschung, und insbesondere der einflussreichen Akteur-Netzwerk-Theorie und ihres „Netzwerk“-Konzepts, offen. Als wesentliche Kategorien der Objektforschung führte Coupaye hingegen „Kontext“, „Prozesse“ und „Präsenz“ ein, deren operable Qualitäten er anhand eines Fallbeispiels, der Kultivierung, Gestaltung und Rezeption der Yamswurzel durch die Abelam, eine Bevölkerungsgruppe in Papua-Neuguinea, aufzeigte. Coupaye forderte, in der wissenschaftlichen Analyse unablässig das Objekt zu fokussieren, und vernakulare Vorstellungen von Kategorien wie Körper, Objekt, Erde, Himmel oder Sprache und damit auch vom Menschen zugeschriebene, teils imaginierte Objekteigenschaften, die enorm von denen des Wissenschaftlers divergieren können, ernst zu nehmen. Die Konsequenz der methodischen Postulate wurde den Tagungsteilnehmern in seiner Analyse eindringlich vor Augen gestellt: Diese Kategorien und Eigenschaften können sich in der menschlichen Handhabung und Manipulation von Objekten stets erneuern, verändern oder gar umkehren. Imagination nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein.

Text und Bild: NFG Cordez

veröffentlicht am