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   Internationale Nachwuchsforschergruppen

Kreativität und Genie

LMU München

Reid Hoffman, Gründer von LinkedIn, Illustration: New Yorker Oct. 12 (2015)[Bildunterschrift / Subline]: Reid Hoffman, Gründer von LinkedIn, Illustration: New Yorker Oct. 12 (2015)

Internationale Nachwuchsforschergruppe in den Geisteswissenschaften 


Leitung: Dr. Jan Niklas Howe


Kontakt: jnhowe@posteo.de



Projektdauer: 5 Jahre


Angliederung an das Programm des Elitenetzwerks Bayern:

Internationales Doktorandenkolleg MIMESIS: Munich Doctoral Program for Literature and the Arts


Kreativität ist ein Imperativ, der postindustrielle Gesellschaften aggressiv strukturiert. Medien, Unterhaltung, Design, Architektur, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Forschung sind "creative industries" im engeren Sinne, Kreativität ist aber auch ein Leitbegriff von Selbstbeschreibungen in sozialen Netzwerken, Kontaktanzeigen oder Bewerbungen. Kulturtheoretische Konzeptionen von "ästhetischem Regime", "Herrschaft des Ästhetischen", "ästhetischem Kapitalismus" oder "Kreativitätsdispositiv" interpretieren übereinstimmend die Universalisierung des Kreativitätsgedankens als Resultat der Ausweitung ästhetischer Praktiken und Präferenzen auf nichtästhetische Lebensbereiche. Diese Interpretation stellt die Geisteswissenschaften vor drei Herausforderungen: Zu klären, welche ästhetischen Praktiken gemeint sind, ihre Ausweitung historisch herzuleiten und Kreativität als Gegenstand theoretisch zu erschließen.

Die Nachwuchsforschergruppe Kreativität und Genie greift diese Herausforderungen auf. Ihr Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass der Kreativitätsdiskurs im 20. Jahrhundert in hohem Maße an rhetorische Strategien und poetische Verfahren der Genie-Ästhetik des 18. Jahrhunderts anschließt. Schöpferisches Potenzial weist in beiden historischen Konzeptionen einen markanten Widerspruch auf: Es beschreibt einerseits einen Superlativ außergewöhnlicher, singulärer Individualität, andererseits eine allgemein verfügbare Ressource. Erstaunlicherweise handelt es sich nicht um eine historische Abfolge von Singularisierung und Banalisierung, sondern um eine interne Spannung in den Begriffen "Genie" und "Kreativität": In beiden Konzepten sind Alleinstellung und Universalisierung jeweils mitgedacht. Die Nachwuchsforschergruppe setzt erstmals die literaturwissenschaftliche Genie-Forschung und die interdisziplinäre Kreativitäts-Forschung in Bezug zueinander. Ihre Leitfrage lautet: Wie ist aus der Randfigur des Dichtergenies ein Paradigma geworden, das ganze Wirtschaftszweige prägt? Antworten werden nicht in den wechselnden inhaltlichen Bestimmungen von Kreativität gesucht, sondern in den konstanten poetischen Strukturen, die das Sprechen über schöpferische Potenziale prägen, und in den gesellschaftlichen Funktionen dieses Sprechens.


Kontakt
Dr. Jan Niklas Howe
Department I
Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Schellingstraße 3
D - 80799 München

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