ELITE NETZWERK BAYERN

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   Internationale Nachwuchsforschergruppen

Developmental Origins of Human Normativity

LMU München

Kinder und Regeln[Bildunterschrift / Subline]: Kinder und Regeln

Internationale Nachwuchsforschergruppe an der Schnittstelle von Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften 


Leitung: Prof. Dr. Marco F. H. Schmidt


Kontakt: marco.schmidt@psy.lmu.de


Projektdauer: 5 Jahre


Angliederung an das Programm des Elitenetzwerks Bayern:

Internationales Doktorandenkolleg REASON – Wissenschaftliches Denken und Argumentieren


Kooperationsbeziehungen:

  • Abteilung für menschliche Entwicklung & quantitative Methodologie, Universität von Maryland, College Park
  • Abteilung für vergleichende und Entwicklungspsychologie, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
  • Abteilung für Philosophie, Universität Duisburg-Essen
  • Abteilung für Psychologie, Harvard Universität
  • Abteilung für Psychologie, Universität von Kalifornien, Santa Cruz
  • Abteilung für Psychologie, Universität der Anden, Kolumbien
  • Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Leipzig
  • School of Psychology, Universität von Kent, Vereinigtes Königreich

Alle menschlichen Gesellschaften haben und leben von sozialen Normen und Regeln, die bestimmte Verhaltensweisen in bestimmten Situationen vorschreiben oder verbieten. Normen sind wie „sozialer Kitt“, der Mitglieder einer Gruppe zusammenbringt und damit Gruppenkohäsion, Kooperation und Zusammenarbeit fördert. Jedoch sind Normen wie “Man bildet eine Schlange an der Kasse im Supermarkt” nicht in unserem genetischen Code enthalten – vielmehr führen Menschen Normen ein, geben sie weiter, lernen und setzen sie durch. Wie entwicklen Säuglinge und Kleinkinder ein Verständnis von Normen? Was sind die psychologischen Grundlagen, die es uns erlauben, zwischen „Richtig“ und „Falsch“ zu unterscheiden, das heißt, Normativität zu verstehen und somit komplexe Moralsysteme und soziale Institutionen zu bilden? Dies sind die Leitfragen unserer Forschung.

Wir verstehen Normativität jedoch nicht als isoliertes Phänomen, sondern als grundlegend verwoben mit Theory of Mind und, im weiteren Sinne, mit Erkenntnistheorie. Der Grund hierfür ist, dass wir im Alltag keine „Normen“ (ein abstrakter Begriff), sondern einzelne Handlungen im Hier und Jetzt von einzelnen Menschen mit bestimmten Überzeugungen, Wünschen und Absichten sehen. Daher müssen Kinder ein Wissensproblem lösen, nämlich erschließen, ob eine bestimmte Handlung einer allgemeinen Norm unterliegt oder nicht. Über das Erschließen von Normen hinaus ist ein Verständnis von Normativität auch dadurch gekennzeichnet, dass man normative Phänomene als menschengemachte soziale Fakten ansieht, die geändert oder unter bestimmten Bedingungen ins Leben gerufen werden können (z.B. indem wir unsere Überzeugungen, Wünschen und Absichten gemeinsam ausrichten). Aber etwas fehlt. Wir verstehen Normativität nicht nur theoretisch, sondern wir interessieren uns auch praktisch dafür. Insbesondere sind wir motiviert, Normen zu befolgen, andere, die Normen brechen, zu korrigieren oder zu bestrafen und somit gemeinsame Praktiven und Werte selbst unter persönlichen Kosten hochzuhalten. Das heißt, Normativität – ganz augenscheinlich Moral – hängt auch mit Prosozialität zusammen. Unsere Forschergruppe untersucht daher die Entwicklung unserer „Norm-Psychologie“ im engen Zusammenhang mit Theory of Mind, Erkenntnistheorie und Prosozialität. Wir verwenden eine Reihe von unterschiedlichen empirischen Methoden (z.B. Eye-Tracking oder interaktive Aufgaben, die Alltagssituationen simulieren), um einige wichtige und zusammenhängende Fragen über die Ursprünge menschlicher Normativität anzugehen.

Folglich ist es das Ziel unserer Nachwuchsforschergruppe den Grundstein für die Entwicklung eines integrativen theoretischen Rahmenwerks über menschliche Normativität inklusive Verbindungen zu Erkentnistheorie und Prosozialität zu legen, welches weitere integrative Forschung motivieren soll. Solch ein Rahmenwerk kann unser Verständnis der psychologischen Grundlagen verbessern, die unerlässlich sind für die menschlichen Fähigkeit zu kooperieren, soziale Institutionen zu bilden, von anderen zu lernen und kulturelles Wissen gemeinsam zu mehren. Unsere Forschung ist inhärent interdisziplinär und liegt mithin an der Schnittstelle von Sozial-, Geistes- (insbesondere Philosophie) und Naturwissenschaften. Die Internationale Nachwuchsforschergruppe ist angegliedert an das Department Psychologie, sowie das Internationale Doktoroandenkolleg REASON (Wissenschaftliches Denken und Argumentieren) an der LMU München.


Kontakt
Prof. Dr. Marco F. H. Schmidt
Abteilung für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Universität Bremen
Hochschulring 18
D - 28359 Bremen

Gefördert durch:
  • Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
  • Elitenetzwerk Bayern:
  • seit 1. Oktober 2015