ELITE NETZWERK BAYERN

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Aktuelles von den Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten sowie aus den Internationalen Nachwuchsforschergruppen

Von Würmern und Materie - Nachwuchswissenschaftler tauschen sich aus

Im Rahmen eines Symposiums der naturwissenschaftlichen Nachwuchsforschergruppen des Elitenetzwerks Bayern am 22.09.16 auf dem Campus der Universität Bayreuth gaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer faszinierende Einblicke in ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums in Bayreuth

Lukas Nickel (NFG "Interaction between light and matter") während der Präsentation

Initiator und Gastgeber war Dr. Claus-D. Kuhn, der im Namen seiner in Bayreuth ansässigen Nachwuchsforschergruppe eingeladen hatte. Sein Team und er - seit September 2014 durch das Elitenetzwerk Bayern gefördert - forschen im Bereich der Genregulation durch nicht-kodierende RNA. Die eingeladenen Nachwuchsforschergruppen von Dirk-André Deckert (Wechselwirkung zwischen Licht und Materie, LMU München), Michael Dorr (Visual Efficient Sensing for the Perception-Action Loop, TU München) und Sebastian Geibel (Mykobakterielle Sekretionssysteme, Würzburg) komplettierten die entspannte Runde von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Im Vordergrund standen die etwa einstündigen Präsentationen der einzelnen Gruppen, deren Aufgabe darin bestand, ihre eigenen Forschungsziele und -ergebnisse einerseits auf das Wesentliche zu reduzieren und einem teils mehr, teils weniger fachfremden Publikum näherzubringen. Dieser interdisziplinäre Ansatz bedeutete für die Mitglieder der einzelnen Nachwuchsforschergruppen sicherlich eine Herausforderung, ließ sie aber gleichermaßen über den eigenen Tellerrand hinausschauen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen startete das Symposium mit der Präsentation von Dirk-André Deckerts Team. Das zentrale Thema seiner Forschergruppe ist die Wechselwirkung zwischen Licht und Materie, genau genommen zwischen elektromagnetischen Feldern und geladenen Elementarteilchen. Von der Gravitation abgesehen macht diese Wechselwirkung den größten Teil unserer täglichen Erfahrungswelt aus. Die Ziele des jungen Forscherteams sind die präzise Vorhersage der durch Strahlungsrückwirkung hervorgerufenen Reibung beschleunigter Ladungen und die dynamische Beschreibung der kontrollierten Materie-Antimaterie (Elektron-Positron) Paarerzeugung direkt aus dem Vakuum. Beide Naturphänomene werden im Hinblick der im Rahmen des europäischen Projekts "Extreme Light Infrastructure" geplanten Experimente diskutiert. Weitere Informationen zu dieser NFG gibt es hier.

Das zweite Team, das von seinem Forschungsstand berichtete, war das von Sebastian Geibel. Zentraler Schwerpunkt seines Teams ist die Tuberkulose. Das Ziel des Projekts ist es, unser Verständnis über die Kommunikation zwischen Wirt und Mykobakterien zu verbessern und die Entwicklung neuer Antibiotika gegen Tuberkulose voranzutreiben, indem die ersten hochaufgelösten dreidimensionalen Strukturen des Typ VII Sekretionssystems unter Ausnutzung modernster Methoden der Strukturbiologie (Elektronenmikroskopie und Röntgenstrukturanalyse) bestimmt werden und ein Modell des Typ VII Sekretionsmechanismus generiert wird. Die dreidimensionalen Strukturen können dann als Grundlage zur Struktur-basierten Wirkstoffentwicklung dienen mit dem Ziel die unterschiedlichen Typ VII Sekretionssysteme spezifisch zu blockieren. Hier gibt es weitere Informationen zu dieser NFG.

Die interdisziplinäre Nachwuchsforschergruppe "Visual Efficient Sensing for the Perception-Action Loop" von Michael Dorr, die als nächstes präsentierte, beschäftigt sich mit der visuellen Informationsverarbeitung beim Menschen und der Entwicklung biologisch inspirierter Algorithmen für das Maschinelle Sehen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Modellierung von Augenbewegungen, die wir Menschen mehrmals pro Sekunde ausführen, ohne dass uns dies normalerweise bewusst würde. Im Rahmen dieser Forschung werden grundsätzliche Fragestellungen zur normalen und zur klinisch beeinträchtigten Wahrnehmung geklärt, was zukünftig zur verbesserten Rehabilitation bei neurologischen Erkrankungen wie z.B. dem Neglect führen soll. Darüber hinaus arbeitet die Nachwuchsforschergruppe an neuartigen Methoden zur blickbasierten Mensch-Maschine-Kommunikation. Näheres zu dieser NFG unter diesem Link.

Als letzte Gruppe waren die gastgebenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bayreuth an der Reihe. Um die Regeneration menschlicher Organe besser zu verstehen und in Zukunft zu einer gezielten Organregeneration beizutragen, untersucht die Gruppe unter anderem die Regenerationsfähigkeit von Plattwürmern (Planarien). Diese Würmer sind ein ideales Modellsystem für die Organentwicklung beim Menschen, da sie in der Lage sind, aus Stammzellen jedwedes erwachsene Organ nachzubilden. Im Besonderen interessiert die Bayreuther Wissenschaftler dabei, welche Rolle nicht-kodierende RNAs während der Regeneration spielen. Des Weiteren präsentierte die Gruppe ihre Arbeit an sogenannten Enhancer RNAs (eRNAs). eRNAs scheinen eine wichtige Rolle bei der Bildung und ständigen Umgestaltung unseres Gehirns zu spielen. Wie eRNAs diese Funktion erfüllen liegt jedoch bisher vollständig im Dunkeln. Hier klicken für weitere Information zu dieser NFG.

Neben allen fachlichen Einblicken war der Vernetzungsgedanke ein wesentlicher Aspekt dieses Symposiums. Die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins - nicht nur forschungsbezogene - Gespräch zu bringen, war nicht nur ein wichtiges Anliegen von Claus Kuhn, sondern liegt generell auch im Interesse des Elitenetzwerks Bayern. Beim gemeinsamen Abendessen zum Ausklang waren sich die Teilnehmer einig, dass das Treffen in dieser Hinsicht ein voller Erfolg war.

Text: Philipp Aigner mit Unterstützung der Leiter der beteiligten Nachwuchsforschergruppen

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