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Aktuelles von den Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten sowie aus den Internationalen Nachwuchsforschergruppen

Tuberkulose: Neue Einblicke in den Erreger

Forscher der Universität Würzburg und des spanischen Krebsforschungszentrums haben neue Erkenntnisse über den Erreger der Tuberkulose gewonnen. Die in Nature veröffentlichte Arbeit liefert die Grundlage für einen neuen Ansatzpunkt in der Antibiotikatherapie.

Modell des untersuchten Typ VII Sekretionssystems aus dem Modellorganismus Mycobacterium smegmatis. Von links nach rechts: Seitenansicht, Ansichten von oben, Ansicht von unten.

Tuberkulose ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die über den Luftweg übertragen wird und hauptsächlich die Lunge befällt. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr geschätzte 1,7 Millionen Menschen weltweit an einer solchen Infektion. Zudem trägt ein Viertel der Weltbevölkerung eine Form der Tuberkulose in sich, die über lange Zeit im Verborgenen schwelt. Sie zeigt zunächst keine Symptome, kann aber zu einem späteren Zeitpunkt ausbrechen.

Nanomaschinen in der Zellhülle

Bei einer Ansteckung scheidet der Erreger der Tuberkulose, das Mycobacterium tuberculosis, über sogenannte Typ VII-Sekretionssysteme eine Vielzahl an spezialisierten Effektorproteinen aus. Diese kleinen aus Proteinen bestehende Nanomaschinen in der Zellhülle sorgen dafür, dass Mycobacterium beispielsweise die Immunabwehr bekämpfen oder die Aufnahme von Nährstoffen sicherstellen kann, um sich im Wirt zu vermehren. Die Funktionsweise dieser zentralen Sekretionssysteme wurde bisher wenig verstanden.

Wissenschaftlern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und vom spanischen Krebsforschungszentrum CNIO (Centro Nacional de Investigaciones Oncológicas) ist es jetzt gelungen, die molekulare Struktur dieser Nanomaschinen zu entschlüsseln. Federführend bei diesen Arbeiten war Dr. Sebastian Geibel der eine vom Elitenetzwerk Bayern finanzierte Internationale Nachwuchsforschungsgruppe am Institut für Molekulare Infektionsbiologie leitet und gleichzeitg mit dem Rudolf-Virchow Zentrum der JMU affiliert ist. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature haben die Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht.

Messungen bei Tiefsttemperaturen

Die Arbeitsgruppe um Sebastian Geibel hat in den vergangenen fünf Jahren intensiv daran gearbeitet, eine dieser Sekretionsmaschinen stabil zu rekonstituieren und die empfindliche Probe für Messungen am Kryo-Elektronenmikroskop vorzubereiten. Dazu müssen die Proteinkomplexe zunächst unter definierten Bedingungen schockgefroren werden.

In Zusammenarbeit mit der spanischen Arbeitsgruppe um Oscar Llorca, die in Madrid in einem aufwendigen Verfahren dreidimensionale Karten des Proteinkomplexes generierte, konnten die Würzburger Forscher ein Modell der Molekülstruktur erstellen. Es gelang sowohl wichtige Elemente der Nanomaschine zu identifizieren, die die Transportpore formen, als auch Elemente zu bestimmen, die chemische Energie in Bewegung umwandeln und dadurch den Transport der Effektorproteine durch die Pore antreiben.

Neuer Ansatz für neue Wirkstoffe

Die Erkenntnisse der Forscher führen zu einem tieferen Verständnis der Funktionsweise von Type VII-Sekretionssystemen. Da es momentan noch keinen umfassenden Impfschutz gegen Tuberkulose gibt und gleichzeitig immer mehr Tuberkulose-Erreger Resistenzen gegen gängige Antibiotika entwickeln, schaffen die Erkenntnisse der Forscher die Grundlage für die Entwicklung neuer Wirkstoffe in der Antibiotikatherapie.

Publikation

Architecture of the mycobacterial type VII secretion system. Nikolaos Famelis, Angel Rivera-Calzada, Gianluca Degliesposti, Maria Wingender, Nicole Mietrach, J. Mark Skehel, Rafael Fernandez-Leiro, Bettina Böttcher, Andreas Schlosser, Oscar Llorca & Sebastian Geibel.
Nature, 9. October 2019, DOI 10.1038/s41586-019-1633-1.

www.nature.com/articles/s41586-019-1633-1

Kontakt

Dr. Sebastian Geibel, NWG Mykobakterielle Sekretionssysteme, Lehrstuhl für Molekulare Infektionsbiologie I (Prof. Dr. Jörg Vogel), T: +49 931 31-84590, sebastian.geibel@uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

veröffentlicht am