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Aktuelles von den Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten sowie aus den Internationalen Nachwuchsforschergruppen

Historical Sociolinguistics Young Researchers Forum in Brüssel

Von 2. bis 3. März 2018 fand an der Vrije Universiteit Brussel das erste Young Researchers Forum, ausgerichtet vom Historical Sociolinguistics Network, statt.

Einen Tag zuvor reisten Mitarbeiter der Nachwuchsforschergruppe "Flexible Schreiber in der Sprachgeschichte" - Franziska Eber, Monika Foldenauer und Markus Schiegg - nach Brüssel und besuchten das Europäische Parlament, um informative Stunden im Besucherzentrum, dem Parlamentarium, zu verbringen. Dort konnten wir interaktiv die Entwicklung der europäischen Integration nachvollziehen sowie einen Einblick in die Arbeitsweise und Aufgabengebiete der Parlamentsmitglieder gewinnen.

Das Forum begann mit zwei unterschiedlichen Workshops, wobei Monika Foldenauer und Franziska Eber den Kurs "Data visualization in historical sociolinguistics" von Tanja Säily (University of Helsinki) besuchten. Nach einer grundlegenden Einführung über die Vorteile von visualisierten Daten lernten wir statische Visualisierungsmethoden kennen: Linien- und Balkendiagramme, Scatterplots, Bean- und Boxplots. Visualisierungen tragen dabei nicht immer nur zum besseren Verständnis bei, sondern es besteht auch die Gefahr von Verschleierung und Fehlinterpretation, wenn der verwendete Datensatz nicht den Voraussetzungen für die jeweilige Visualisierungsmethode entspricht. Markus Schiegg leitete zeitgleich den zweiten Workshop "Analysing historical handwriting", der sich mit Runen und frühmittelalterlichen Handschriften beschäftigte.

In der anschließenden Master Class von Gijsbert Rutten (Universiteit Leiden) über "Ego Documents" wurde der Wert von Egodokumenten für die Historische Soziolinguistik besprochen, entsprechende theoretische Modelle hierfür dargestellt und Formelhaftigkeit in niederländischen Briefen des 16. und 17. Jahrhunderts untersucht. Die meisten besprochenen Beispiele stammten dabei aus dem von Gijsbert Rutten und Marijke van der Wal zusammengestellten Korpus "Letters as Loot". Die letzte inhaltliche Einheit am Freitag, die "The Bad Data Lecture", wurde von Terttu Nevalainen (University of Helsiniki) gestaltet. Zunächst stellte sie die Herausforderungen historischer Dokumente dar, bei denen oftmals nur geringe oder gar keine Kenntnisse über die sozialen Hintergründe der Schreiber vorliegen. Der Vortrag behandelte die Vor- und Nachteile von großen und kleinen Datensätzen und ging der Frage nach, ob die Größe des Korpus die entscheidende Komponente darstellt. Danach besuchten wir das typische Brüsseler Restaurant Het Goudblommeke in Papier: ein Estaminet, das sowohl Café, Kneipe als auch Restaurant kombiniert und seit Ende des Zweiten Weltkrieges in einem wunderschönen historischen Gebäude zu finden ist. Abschließend wurde eine Stadtführung zu Brüssels Sehenswürdigkeiten bei Nacht angeboten.

Am zweiten Tag des Forums trafen wir uns in den einzelnen Workshops wieder, wobei wir bei Tanja Säily interaktive Visualisierungsmethoden kennenlernten, nämlich Motion Charts, Khepri, types2 und den Text Variation Explorer, den wir auch mit eigenen Datensätzen ausprobieren konnten. Währenddessen stellte Markus Schiegg die Entwicklung der deutschen Schrift dar, um im Anschluss in Kurrent verfasste Patientenbriefe zu transkribieren sowie linguistisch zu untersuchen. Mit vielen neu gewonnen Erkenntnissen, Eindrücken und Bekanntschaften im Gepäck traten wir anschließend die Heimfahrt nach Erlangen an.

Text: Franziska Eber, Doktorandin der Nachwuchsforschergruppe
Fotos: Nachwuchsforschergruppe "Flexible Schreiber in der Sprachgeschichte"

veröffentlicht am