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Aktuelles aus dem Max Weber-Programm

Von Bayreuth nach Katalonien - Feldforschung in Manlleu und Mollo

Mit Unterstützung des Max Weber-Programms konnte Stipendiat Mathias Brummer, Student der Global Change Ecology an der Universität Bayreuth, die Feldforschung für seine Masterarbeit in Barcelona, Spanien, durchführen. Hier berichtet er über sein Forschungsvorhaben und die Erfahrungen, die er vor Ort gewinnen konnte.

Damm in Manlleu

Blick über die Pyrenäen

Meine Feldforschung fand im Rahmen des Masterstudienganges Global Change Ecology der Universität Bayreuth im 4. Semester, von April bis Juli 2016 statt. In diesem Zeitraum habe ich in Manlleu und in Mollo die Ursachen für die Verzögerung des Abrisses zweier Dämme untersucht. Da ich die Problematik der Implementierung dieser Maßnahmen als Ganzes verstehen wollte, habe ich auf eine Kombination von Ökosystemdienstleistungen, politischer Ökologie und Kartographie gesetzt. Mit Ökosystemdienstleistungen sind Leistungen gemeint, welche die Natur für die Gesellschaft produziert, wie zum Beispiel die Autodepuration des Wassers. Dies sollte mir helfen zu verstehen, was die Hindernisse für den Abriss von Dämmen in Katalonien sind und wie diese bei zwei aktuellen Fallbeispielen in Erscheinung treten.

 

Methodisch habe ich Hintergrundinformationen aus Zeitungsartikeln, Planungsprojekten und Gesetzgebungsverfahren gewonnen. Diese Hintergrundinformationen erlaubten mir, meine beiden Fallbeispiele zu identifizieren. Zudem habe ich eine Kombination aus Interviews und sogenannter partizipativer Kartierung verwendet, um die Problematik rund um den Abriss von Dämmen in Katalonien zu verstehen. Die partizipative Kartierung bestand aus der Identifizierung der Ökosystemdienstleistungen, die von einem Damm oder seinem Abriss ausgehen, auf Luftbildern. Um die Ökosystemdienstleistungen auf den Luftbildern zu identifizieren, befragte ich die Akteure nach den Regionen der für sie relevanten Leistungen auf den entsprechenden Luftbildern.

 

Während meines Aufenthaltes in Barcelona wohnte ich in Sabadell, einer Kleinstadt, die nur 25 Minuten Fahrzeit von Barcelona entfernt ist. Von Sabadell aus hatte ich die Möglichkeit, diverse Akteure der Behörde für Wasserwirtschaft, der Behörde für Umweltpolitik sowie lokale Akteure in Mollo und Manlleu zu interviewen. Die durchschnittliche Länge der Interviews betrug eine Stunde und teilte sich in zwei Abschnitte auf. Zum einen interviewte ich die Akteure über die generelle Situation und Problematik betreffend den Abriss von Dämmen in Katalonien. Zum anderen befragte ich die Akteure bezüglich der Ökosystemdienstleistungen bei der Entfernung von Dämmen, und wie diese Einfluss auf Umweltplanungsentscheidungen haben. Besonders interessant war hier der große Unterschied zwischen dem kleinen Dorf in den Pyrenäen Mollo und der Kleinstadt Manlleu in der „Plana de Vic“, da Dämme in diesen beiden Orten historisch gesehen eine komplett unterschiedliche Rolle spielten: Mollo baute den Damm zur Energieerzeugung in den 1970er Jahren; hingegen baute Manlleu den Damm Ende des 19. Jahrhunderts zur Entwicklung der Textilindustrie. Den Zugang zu den Akteuren sowohl in Barcelona als auch in Mollo und Manlleu habe ich vor allem meinen beiden Betreuern, Dídac Jordà-Capdevila und Beatríz Rodríguez Labajos, vom Institut de Ciència i Tecnologia Ambientals der Universitat Autònoma de Barcelona zu verdanken.

 

Aus den Ergebnissen meiner Feldforschung ergibt sich, dass zusätzlich zur schwierigen rechtlichen und finanziellen Situation in Katalonien auch Ökosystemdienstleistungen sowie historische und landschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle für Umweltplanungsentscheidungen spielen können. Die Gewinnung meiner Daten wäre ohne die Hilfe der finanziellen Unterstützung des Max Weber Programms nicht möglich gewesen. Daher vielen Dank für die freundliche Unterstützung.

Text und Fotos: Mathias Brummer, Global Change Ecology, Universität Bayreuth

veröffentlicht am