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Aktuelles aus dem Max Weber-Programm

Studienabschluss – und jetzt?

Der Schnee lag in schmalen Streifen am Fuße der Hügelketten um Beilngries, als mit einem langen Quietschen ein Bus in die örtliche Tagungsstätte einfuhr. Für Anfang Februar war es angenehm mild. Der Bus entließ eine Menge von knapp fünfzig Stipendiatinnen und Stipendiaten. Sie waren in ihren Gesprächen schon längst beim Ziel ihrer Reise angekommen.

Netzwerken zu abendlicher Stunde: vier Teilnehmerinnen des Kompetenzseminars im Gespräch. Bild: Dr. Johannes Hätscher, MAx Weber-Programm

Das Kompetenzseminar Beilngries 2019 stand ganz im Zeichen der Lebenssituation seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Der Großteil von uns ist Stipendiatin bzw. Stipendiat im Endstadium. Das Moratorium, das uns unser Studium gewährt, so sinngemäß der MWP-Referent Dr. Hätscher, neigt sich merklich dem Ende entgegen. Vor uns wartet, in grauer Ungewissheit, das Berufsleben. Ehrgeiziges Ziel des Seminars war es, uns auf diesen Sprung vorzubereiten.

Zu unserer Besänftigung waren für den ersten Abend fünf ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten vom Alumni-Verein gekommen. Sie hatten den Sprung in Wissenschaft und Wirtschaft überstanden, manche von ihnen hatten schon mehrere dieser Sprünge hinter sich. Am zweiten Abend wurde uns dann spätestens jede Angst vor dem Berufseinstieg genommen. Dr. Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sprach vor. Unsere zukünftigen Jobs seien trotz aller Rationalisierung und Digitalisierung sicher, in allen Branchen, für alle.

Die sonstige Abendgestaltung war gewohnt vielseitig. Die Tagungsstätte Beilngries verfügt über eine Kegelbahn und ein Schwimmbad mit Saunabereich. Man kann den Tag im Kaminzimmer ausklingen lassen. Man kann aber auch die Aufenthaltsräume zum Werwolf-Spielen nutzen oder einfach nur in Gesellschaft zweier mannshoher Marmorbüsten im Gang über den Seminartag sinnieren.

Quer durch das Workshop-Programm

Denn zu verarbeiten gab es eine Menge. Das Seminarprogramm war darum bemüht, alle Aspekte des beruflichen Werdens und Wirkens abzudecken. Die ideale Teilnehmerin bzw. der ideale Teilnehmer aller Seminare hätte im - sehr empfehlenswerten - Seminar Career Compass unter Dr. Teichler eine berufliche Perspektive aus seiner persönlichen Vergangenheit und aus seinen ideellen Zielen entwickelt. Er hätte in Frau Pannwitz' Schreibwerkstatt erfahren, ob er eher der Typ Darauf-Los-Schreiber oder der Typ Planer ist und sich dann mit leichter Hand bis zum Doktortitel geschrieben. Er wäre nach Dr. Holuschas Networking-Seminar ein Smalltalk-Champion und hätte so bald über Kontakte den Weg in den Traumjob gefunden. Der Workshop "Communicating effectively in the Job Application Process" von Herrn Korver wäre für ihn in diesem Fall nur noch von fachlichem Interesse. Im Unternehmen angekommen, könnte er dann durch Frau Bittroffs Seminar geschult seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beibringen, wie sich "Laterale Führung" auch jenseits der Tanzfläche einsetzen lässt. Nun hatten wir eine solche Allround-Stipendiatin bzw. Allround-Stipendiaten nicht in unseren Reihen. Dennoch stattete das Max Weber-Programm jeden von uns mit einer professionell entwickelten Superpower aus und entließ uns in die Arbeitswelt.Als der Bus uns nach zwei Tagen wieder zum Bahnhof zurückbrachte, waren die Spuren des Schnees auf spärliche Reste zusammengeschmolzen. Der Zug nach München hielt an. Alle Stipendiatinnen und Stipendiaten fanden einen Platz. Dann fuhr er davon.

Text: Thomas Lipsky, Jura, LMU München

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