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Aktuelles aus dem Max Weber-Programm

Max Weber-Stipendiatin Maj Lilian Wenk-Wolff berichtet über ihren Sprachkurs

Weiße Klippen an Englands Südostküste - "The white cliffs of Dover" begrüßen den Reisenden, wenn er den Ärmelkanal überquert, aus Frankreich kommend, vom Kontinent auf die Insel. Wenn man an der Küste noch einige Kilometer weiter fährt, kann man die (mindestens!) genauso schönen white cliffs of Broadstairs und Umgebung bewundern.

Broadstairs
Broadstairs selbst, zu viktorianischen Zeiten mondäner Badeort, ist heute ein pittoreskes kleines Städtchen am Meer mit schönen Stränden, in dem man noch immer an vielen Stellen den Glanz vergangener Zeiten spürt. Die um Teil recht verwinkelten Straßen und Gassen zieren hübsche Fachwerkhäuser und etliche Gebäude aus dem für die Region typischen Feuerstein. Neben den vielen Sprachschülern scheint es hauptsächlich betagte Reisende in das friedliche Broadstairs zu locken. Jährlich zur Folk Week Anfang August zieht Broadstairs aber tausende Feiernde und Besucher an und es wird laut und bunt - wer das spannende Spektakel erleben möchte, sollte sich konkret informieren und sich für entsprechende Sprachkurstermine bewerben. Aber auch unabhängig von solchen Festen bietet Broadstairs reizvolle Einblicke in die englische Kultur: Mit seinen vielen Pubs, in denen man in uriger Atmosphäre echte englische und obendrein lokale Ales und Ciders bekommen kann, oder seinen vielen Imbissen, in denen man Fish and Chips (natürlich mit salt and vinegar), diverse Pies und andere Errungenschaften der britischen Kochkunst erleben kann, etwa das full English breakfast. In nostalgischen Süßigkeitenläden und Bäckereien kann man die süße Seite Englands mit ihren Fudges (Achtung, die stehen auch bei den Möwen hoch im Kurs), Scones mit clotted cream (bis hin zu außergewöhnlichen Kreationen wie Cream Soda in der Dose!) kennen lernen. Aber keine Angst, für die zarter Besaiteten gibt es auch genügend Auswahl an internationaler Küche in Restaurants und Supermärkten. Denn wie es unser Kursleiter selbst so treffend formulierte: While the French and the Italian live to eat, the English eat to live.

Meine Gastfamilie
Die Unterbringung in einer Gastfamilie bot mir die wunderbare Gelegenheit, auch außerhalb der Kurse und aus erster Hand mehr von Alltagsthemen (und Alltagsenglisch) zu erfahren und Insider-Tipps zu Ausflugszielen und vielem mehr zu bekommen. Sicher sind nicht alle Familien gleich kommunikativ, ich aber fühlte mich in meiner Gastfamilie wirklich sehr gut aufgehoben und es war spannend, gewissermaßen ungefiltertes englisches Familienleben mitzubekommen.

Institut und Kurs
In einem eher unauffälligen Gebäude befindet sich das Hilderstone College, eine Sprachschule, die sich, anders als viele andere Sprachschulen der Gegend, auf die Erwachsenenbildung spezialisiert hat. Da das Niveau im schriftlichen Sprachgebrauch schon vorab online abgefragt worden war, waren die Gruppen am Begrüßungstag erfreulich rasch eingeteilt, so konnten wir gleich am ersten Tag mit interessanten Themen und Diskussionen loslegen. Im Einsatz waren in jedem Kurs nicht nur ein oder zwei Lehrer, sondern insgesamt bis zu fünf verschiedene. Das hatte den Vorteil, dass man so von einem bunten und abwechslungsreichen Bouquet an unterschiedlichen Unterrichtsstilen und inhaltlichen Schwerpunkten, die sich bestens ergänzten, profitieren konnte. Die Lehrer waren hoch motiviert (und das, obwohl einige schon seit Jahrzehnten im Geschäft sind), wirklich kompetent, stets freundlich und vor allem, nach bester britischer Tradition, sehr humorvoll. Die Kurse lebten von der Mischung aus Einheiten zu grammatikalischen und lexikalischen Fein- und Gemeinheiten der englischen Sprache, Präsentationen von uns Studierenden mit anschließenden Debatten (bei denen sich die Interdisziplinarität in der Kurszusammensetzung angenehm bemerkbar machte) und spielerischen Aktivitäten. Da man eigene Vorschläge einbringen konnte und die Lehrer Einzelgespräche mit uns Teilnehmern zu unseren spezifischen Interessen und Zielen führten, konnte man von jedem Niveau aus das Maximum an Lernerfolg herausholen, in einer lockeren und sehr unterhaltsamen Atmosphäre.

Freizeitgestaltung
Die bestens ausgestattete Mediathek böte genug Material, um jeden Nachmittag eigenständig weiterzuarbeiten, es gibt aber auch noch viele andere Möglichkeiten, die Zeit  zu verbringen: Natürlich kann man z.B. etwas mit der Gastfamilie unternehmen - oder Broadstairs an sich genießen (mit Dickens House Museum), oder seine Nachbarorte Margate (mit Nostalgie-Achterbahn und Turner-Contemporary-Museum) und Ramsgate (mit seinem malerischen Hafen und, für architektonisch Interessierte, A.W. Pugins Kirche und Wohnhaus), in denen es mehr zu entdecken gibt, als man auf den ersten Blick erwartet. Doch nicht nur für Kultur ist gesorgt, auch die Kulisse der Natur ist beeindruckend: Die Küstenlinie dieser Region Englands ist geprägt von den bereits erwähnten imposanten weißen, oben grasbewachsenen, mit kohlschwarzen Feuersteinen gespickten Kreideklippen, die sich hoch über den Strand und das Meer erheben (besonders für geologisch Interessierte eine wahre Fundgrube). Die hübsche Küste ist zudem mit dem Viking Coastal Trail bestens für das (Rad-)Wandern erschlossen. Auf den einen oder anderen unerwarteten Regenschauer sollte man sich aber einstellen, denn das sprichwörtliche englische Wetter ist selbst hier, im sonnigsten und trockensten Teil Englands, immer wieder für eine Überraschung gut! Die Strände entlang der Küste von Thanet sind sehr abwechslungsreich - jeder hat seinen eigenen Charakter und Charme - und laden zum Spazierengehen, Schwimmen (ja, in England geht man auch im Regen baden!), Surfen etc. ein. Wegen der spannenden Strände ist der Sprachkursort übrigens auch für Stipendiat-/innen mit Kindern sehr gut geeignet: Wenn die Kinder im Sand buddeln und werkeln können, verkraften sie problemlos, dass Mama oder Papa in der Sprachschule beschäftigt ist. Auch für Vogel- oder Naturinteressierte ist die Gegend mit ihrer Küstenfauna hochinteressant. Auf Bootstouren zur Mündung des River Stour kann man sogar wilde Seehunde beobachten.
Wem all das noch nicht reicht, der kann an den vielfältigen Exkursionen und Aktivitäten, die von der Schule angeboten werden, teilnehmen und beispielsweise in die einst so bedeutsame Hafenstadt (und Geburtsort eines gewissen belegten Brotes mit Weltkarriere) Sandwich fahren, durch ihre schmalen mittelalterlichen Gassen schlendern und in der Guild Hall auf den Spuren Elisabeths I. wandeln. Oder aber nach Dover, Cambridge, Brighton oder London fahren, oder in den Räumlichkeiten des College in das African Drumming auf der Djembe eingewiesen werden und und und... experiences galore!

Ein lohnender Aufenthalt und ein tolles Erlebnis
Jedem, der sein Englisch etwas auffrischen oder aufpolieren will, kann ich Boadstairs also sehr empfehlen, da sowohl der Ort, als auch vor allem die Schule und ihre qualitativ hochwertigen Kurse unheimlich viel zu bieten haben. Sehr beeindruckend fand ich die (für mich als Deutsche ungewohnte) Freundlichkeit und Höflichkeit der Engländer, die ich dort tagtäglich erlebt habe. Diese angenehme Atmosphäre innerhalb und außerhalb der Schule rundete die schönen Erlebnisse ab - es waren in jeder Hinsicht lehrreiche und schöne drei Wochen!

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