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Aktuelles aus dem Max Weber-Programm

Max Weber-Stipendiatin besucht Konferenz „French Artistic Culture and Post-war Socialist Europe”

Im September fand in Zagreb die Konferenz „French Artistic Culture and Post-war Socialist Europe“ in der Glyptothek der kroatischen Akademie für Kunst und Wissenschaft statt. Dazu hatte das Institut für Kunstgeschichte der Universität Zagreb unterstützt vom Institut Français Zagreb im Rahmen des Französisch-Kroatischen Festivals geladen.

Max Weber-Stipendiatin Korinna Weber berichtet darüber: "Die Einladung für einen Vortrag vor Ort hatte ich aufgrund meines Papers mit dem Titel „Georges Candilis – Architecte, Urbaniste et Conteur aux idées communistes dans un monde capitaliste" erhalten, das ich im Juni 2015 dafür eingereicht hatte.

Schwerpunkt der Konferenz war das Verhältnis zwischen Französischer Kultur und sozialistischen Strömungen in der Kunstszene Europas. Während meines Masters hatte ich vor einem Jahr eine Seminararbeit verfasst, - die ich mit der Zeit weiterentwickelt und nun als Promotionsthema anstrebe – die ideal zu diesem Thema passte: Der russisch-griechische Architekt Georges Candilis war in seiner Schaffenszeit in Frankreich zeitlebens geprägt von den Eindrücken seiner Kindheit in der UdSSR. Kollektives Gedankengut und die ideale Vorstellung eine Architektur für alle Menschen zu machen prägen seine oft überdimensional entworfenen Wohnkomplexe, Freizeitanlagen und Bildungsbauten in ganz Europa. Obwohl der Termin sehr zeitnah an der Abgabe meiner Masterthesis lag, entschloss ich mich trotzdem dazu, die Gelegenheit wahrzunehmen, mein angestrebtes Promotionsthema einem breiteren Publikum vorzustellen.

Mein Vortrag fand im dritten Vortragsblock mit dem Schwerpunkt Architektur am 25. September 2015 statt. Am Vormittag lernte ich zunächst die anderen Kongressteilnehmer bei einem kleinen Empfang im Foyer kennen und konnte erste Kontakte knüpfen. Die Vortragsreihe wurde aufgrund kleinerer Programmänderungen von Tamara Bjaži? Klarin vom Institut für Kunstgeschichte Zagreb eröffnet, die mit ihrem Vortrag den Einfluss des bekannten Architekten Le Corbusier in Jugoslawien durch wandelnde Ausstellungen untersuchte. Danach folgte Vedran Ivankovi? von der Architekturfakultät der Universität Zagreb, der die klare These aufstellte, dass Le Corbusiers „Unité d’habitation“ in Marseille der Inbegriff der sozialistischen Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg sei. Um den Vortragsblock kompakt zu gestalten, entschlossen sich die Organisatoren die Kaffepause an die Mittagspause zu schieben und mit den Vorträgen direkt fortzufahren. Stela Tasheva vom Institut für Kunststudien der bulgarischen Akademie der Wissenschaft hatte ebenfalls sich für Le Corbusier als Vortragsthema entschieden, unter dem Aspekt wie Bulgarien den Architekten zu seiner Zeit wahrnahm. Im Anschluss folgte mein Vortrag über Georges Candilis, der zwar ein Schüler Le Corbusiers war, jedoch bald eigene Wege ging. Mir war es wichtig durch meinen Vortrag dem Publikum nicht nur diesen eher unbekannten Architekten und seine in der Biographie „Bauen ist Leben“ festgehaltenen Ideen vorzustellen, sondern auch darüber hinaus Anregungen für die Zukunft zu geben: viele seiner Werke gelten als wichtige Pioniersbauten der Geschichte der modernen Architektur der Nachkriegszeit. Trotzdem werden viele dieser bedeutenden Gebäude ohne Hemmungen abgerissen, da eine Sanierung als zu aufwendig gelte und der Ruf sowie energetische Zustand zu schlecht sei. So wollte ich zu bedenken geben, dass wenn wir diese Gebäude spurlos abreißen verleugnen wir einen Teil unserer Geschichte bzw. Kultur und Herkunft. Diese unliebsamen Gebäude werden nun sanierungsbedürftig und geraten mehr und mehr in die Denkmaldebatte. Ich schloss meinen Vortrag mit den Worten, dass es an unserer Generation liege zu entscheiden, wie wir damit umgehen wollen – und jetzt damit anfangen müssen. Für meinen Beitrag erhielt ich sehr viel Zuspruch und Anerkennung und besonders die Organisatorin Ljiljana Kolešnik betonte wie wichtig es sei, dass auch junge Menschen aus meiner Generation neue Impulse für die Forschung einbringen.

Im Anschluss an meinen Vortrag folgte eine Diskussion über die verschiedenen Aspekte der Vorträge am Vormittag. Dabei wurde vor allem überlegt, wieso Le Corbusier nach wie vor so eine starke Präsenz in der Architekturrezeption und Popularität aufweist. Die Diskussion war sehr lebendig, da die verschiedenen Vorträger deutliche und vor allem entgegengesetzte Positionen zu dieser Figur einnahmen. Da ich mit Abstand die Jüngste in der Runde war, versuchte ich eine diplomatische Haltung einzunehmen und vor allem zunächst aufkommende Fragen zu meinem Vortragsthema zu erläutern. Als jedoch einer der Diskutierenden aufgrund mangelnder Englischkenntnisse sich einer notwendigen Erläuterung und damit aus der Affäre ziehen wollte, spürte ich Handlungsbedarf und sprang mit meinem Französisch als Brücke zwischen den diskutierenden Parteien ein. Etwas überrascht musste der Angesprochene nun seine Position genauer erläutern, da die Sprachbarriere keine Ausrede mehr war. So konnte die angeregte Diskussion weitergeführt werden, in der sich nun auch das Publikum begann einzubringen. Für meinen mutigen Einsatz als spontane Übersetzerin erhielt ich in der anschließenden Mittagspause viel Zuspruch von den anderen Teilnehmern.

Nach der Mittagspause folgten Vorträge mit Schwerpunkt Kunst und Fotographie. Unter anderem sprach die ehemalige Kultusministerin Lettlands Helena Demakova über den Einfluss Frankreichs auf Osteuropäische Künstlergruppen. Jeder Vortrag dieses Tages war anders und es war für mich sehr interessant europäische Architektur bzw. Kunstgeschichte aus einem eher slawisch geprägten Blickwinkel zu betrachten. In der Abschlussdiskussion kamen wir nochmal alle zusammen, um die weiteren Schritte für die geplante Veröffentlichung unser Beiträge im nächsten Jahr zu besprechen. Anschließend trafen wir uns bei strömendem Regen am Hauptplatz Zagrebs um gemeinsam zum Restaurant zu laufen, wo das Abschlussdinner stattfand. Dort hatten wir nochmal die Gelegenheit uns untereinander in lockerer Atmosphäre auszutauschen und den offiziellen Teil des Seminars ausklingen zu lassen.

Am Samstag bot Tamara Bjaži? Klarin eine optionale Stadtführung für die Teilnehmer der Konferenz an. Diese zeigte uns vor allem den südlichen Teil der Stadt, der sich erst im letzten Jahrhundert städtebaulich entwickelt hatte und lange als Arbeiterviertel diente. Da der Fokus auf der Architektur lag, hatten wir so eine wirklich einzigartige Gelegenheit die Stadt mit ihren verborgen Details zu erleben. Am Nachmittag hatte ich nochmal kurz die Chance mich mit einer anderen Teilnehmerin der Konferenz zu treffen, die ich am Vortag kennengelernt hatte und die mir den traditionellen Teil im Norden der Stadt zeigte. So konnte ich am Samstag die Stadt Zagreb mit einheimischen, neuen Bekanntschaften auf besondere Weise entdecken, bevor ich mich am Abend wieder auf meine Heimreise nach München begeben musste.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich diese kurze Kongressreise wahrgenommen habe. Die Konferenz und ihre Teilnehmer waren sehr spannend, mein Beitrag war ein voller Erfolg und die Organisatoren haben sich sehr bedankt, dass ich als so junge Teilnehmerin den weiten Weg aus München auf mich genommen hatte dort zu präsentieren. Sie haben mir offen angeboten, dass sie sich – wenn ich später Doktorandin sein würde – über eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte in Zagreb sehr freuen und mich in meiner zukünftigen Recherchearbeit jederzeit unterstützen würden. Jede Minute in dem mir bis dahin unbekannten Land Kroatien war spannend für mich und ich bin mit vielen Eindrücken, frischer Inspiration und vor allem neuen Freunden wieder nach München zurückgekommen.

Durch die Unterstützung des Max Weber-Programms war es mir möglich die gesamten Reisekosten zu decken, wofür ich mich sehr herzlich bedanken möchte."

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