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Aktuelles aus dem Max Weber-Programm

Die Suche nach der Work-Life Balance - Praxisakademie Lichtenfels 2016

Abgeschiedenheit – Raum zum Nachdenken – Gespräche mit inspirierenden Menschen: Möchte man neben dem straffen Akademieprogramm, dass eine einwöchige Akademie mit sich bringt, die Praxisakademie kurz und prägnant zusammenfassen, sind dies die ersten Schlagworte, die mir in den Sinn kommen. Lichtenfels ist wohl vielen Pendlern vor allem durch den monatelangen Schienenersatzverkehr und die neue ICE-Trasse der deutschen Bahn bekannt.

Das Akademiehaus – Die Franken-Akademie Schloß Schney – befand sich inmitten des Dorfkerns und umrahmte durch die vielen kleinen Gebäudeteile einen kleinen, niedlichen Dorfplatz. „Freundlich, herzlich“ –  nur Worthülsen, die nicht annähernd beschreiben können, wie sich die Mitarbeiter des Tagungshauses vom 16. bis 23. September 2016 um unser Wohl gekümmert haben!

Somit hätten die Rahmenbedingungen für eine gelungene Akademie nicht besser sein können. Wenn man sich nun der Bedeutung der Wörter „Praxis“ als „Anwendung von Gedanken“ und „Akademie“ als „wissenschaftliche Gesellschaft“ widmet, wird die Zielrichtung sehr deutlich. Fachlich zu diskutieren und Probleme zu durchdenken, aber gleichzeitig keine Luftschlösser zu bauen und an der Umsetzbarkeit dieser Gedanken, Ideen und Theorien zu arbeiten. Ein tolles Beispiel dieses Entwicklungsprozesses durfte ich selbst in der Arbeitsgruppe „3D Printing - Additive Manufacturing" erleben, indem wir ein Katapult designen und schließlich dreidimensional drucken konnten, das am Ende eine Stadt aus Holzbausteinen durch Tonwurfgeschosse einnehmen sollte. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit in nur 1,5 Tagen wurden die Vorteile der 3D Drucktechnik vor allem im Prototypbau deutlich und ermöglichten neben den fachlichen Aspekten dieses Zukunftsthema eine haptische Erfahrung.

Nahtlos an die Eindrücke aus der Arbeitsgruppe fügte sich eine Exkursion zu Concept Laser, einem mittelständischen Unternehmen mit Alleinstellungsmerkmalen in der Metallsparte des 3D-Druckmarktes. Ein sehr plastisches Beispiel, das die enormen Potentiale der neuen Fertigungstechnologie zeigte, war ein Titan-Trägerelement und Titan-Winkel, die beim Bau von Flugzeugen die Kabinenelemente befestigen. Im Ausstellungsraum konnten wir ein herkömmliches, durch Fräsen und Bohren hergestelltes Trägerelement, und ein additiv gedrucktes Trägerelement bewundern und vergleichen. Die Gewichtsreduktion ist verblüffend und führt zugleich zu Verbesserungen in der Ökobilanz von Flugzeugen. In einem Flugzeug werden bis zu 30.000 dieser Trägerelemente verbaut, wodurch selbst bei einer Gewichtsreduktion von 500 Gramm pro Element 15 Tonnen Gewicht und somit eine nicht unerhebliche Menge Kerosin eingespart werden kann.

Neben dieser meiner Arbeitsgruppe wurden in den weiteren Arbeitsgruppen über alle Fachgebiete hinweg praxisrelevante Fragen gestellt und versucht, Lösungen zu diskutieren und zu erarbeiten. Die Themen reichten von der „Zukunft der Notaufnahme“ über „Mathematik für alle“, „Entrepreneurship“ für die gründungsinteressierten Stipendiaten, „Kinderzeichnungen in der Pädagogischen Diagnostik“ hin zur „Zukunft des Journalismus“. Die Ergebnisse wurden, wie immer äußerst humoristisch, am Bunten Abend präsentiert. Umrahmt wurde dieser wiederum von einigen Chorstücken, die Professor Fröhlich mit seiner Geige begleitete.

Von Nahtoderfahren hin zu unendlich vielen Reisebussen mit unendlich vielen Fahrgästen

Die Abendvorträge machten in eindrucksreicher Weise deutlich, mit welchen Themen sich die jeweiligen Arbeitsgruppen beschäftigten. Die Länge der Diskussionen, die bei Weitem den zuvor gesteckten Zeitrahmen überschritten, zeigten das Interesse der Stipendiaten an den jeweils fachfremden Themen. Ganz besonders inspirierend und überraschend für mich war der Vortrag von Prof. em. Fröhlich, der auf sehr anschauliche Weise die Grundzüge der Unendlichkeit in der Mathematik darzustellen versuchte. Ganz besonders an seinem Vortrag war die Lebendigkeit, die sicherlich daher rührte, dass er gänzlich auf PowerPoint Folien verzichtete und als Präsentationsmedium den Overheadprojektor nutzte. Eine von einigen vielleicht als altmodisch erlebtes Präsentationsformat, aber mit der Präsentationstechnik des Referenten stellte sich die Kombination als äußerst gelungene Symbiose heraus. Anschließend diskutierten wir, inwiefern anspruchsvolle Inhalte wie diese im Kontext der Digitalisierung gelingend vermittelt werden können. Hierfür wurden die Experten der Wiki-Plattformen „Serlo“ und „Mathe für Nicht-Freaks“ hinzugezogen.

Am Ende dieses Berichtes und der erlebnisreichen Woche in Lichtenfels möchten wir DANKE sagen, vor allem den Mitarbeitern des Tagungshauses und den Dozentinnen und Dozenten. Ganz besonders herzlich möchten wir uns bei Louise Roos und Dr. Johannes Hätscher für die tolle Vorbereitung und die geniale Auswahl des Akademieortes bedanken.

Text: Johannes Manner, Wirtschaftsinformatik, Universität Bamberg
Fotos: Dr. Johannes Hätscher, Max Weber-Team

veröffentlicht am