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NEWS

24.11.2015

Symposium Neurorobotik

Kurz vor Vorlesungsbeginn fand an der TU München das zweitägige Max Weber-Symposium zu Neurorobotik statt. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Einblick in das aktuelle und
faszinierende Gebiet der Neurorobotik, wobei das Thema aus technischer, biologischer und
philosophischer Perspektive betrachtet wurde.

Symposium Neurorobotik[Bildunterschrift / Subline]: Angeregte Diskussionen im Anschluss an die ersten Vorträge (Foto: Dr. Johannes Hätscher, Referent im Max Weber-Programm)

In den letzten Jahren hielten Simulationen verstärkt Einzug in die Neurowissenschaften, wodurch
Untersuchungen neuronaler Systeme in silico ermöglicht wurden. Die Neurorobotik beschäftigt sich
dabei mit dem Verhalten von Robotern, die durch künstliche neuronale Netze gesteuert werden, und
steht somit an der Schnittschnelle zwischen Informatik, den klassischen Neurowissenschaften und der
Robotik. Das von der EU im Rahmen des FET Flagship Programme über 10 Jahre mit ca. einer
Milliarde Euro geförderte Human Brain Project (HBP) beinhaltet als ein Teilprojekt „Neurorobotics“,
dieses wird von einer Forschergruppe der TU München geleitet.

Das sehr gut besuchte Symposium, zu dem TeilnehmerInnen des Max Weber-Programms aus ganz
Bayern anreisten, bot einen Überblick über das aktuelle Forschungsthema Neurorobotik und die
Aktivitäten des entsprechenden Teilprojektes des HBP. Eine Besonderheit war dabei die
interdisziplinäre Perspektive der Veranstaltung, denn das Thema wurde aus Sicht der Informatik,
Neurowissenschaften und Philosophie betrachtet, insbesondere auch die gesellschaftlichen
Auswirkungen der Forschungen in Neurowissenschaften und künstlicher Intelligenz wurden dabei
thematisiert. Der fächerübergreifende Charakter dieses Symposium wurde auch an den fachlichen
Hintergründen der TeilnehmerInnen deutlich, diese reichten von Informatik und Mathematik bis zu
Wirtschaftswissenschaften und Psychologie. Organisiert wurde die Veranstaltung von Florian Walter
und PD Dr. Florian Röhrbein, beide arbeiten am Lehrstuhl Informatik VI, Echtzeitsysteme und
Robotik, der Technischen Universität München.

Die Veranstaltung begann am 8. Oktober mit der Begrüßung der Teilnehmer durch Florian Walter, Dr.
Florian Röhrbein und Dr. Johannes Hätscher (Studienstiftung des Deutschen Volkes, Max Weber-
Programm), wobei auch zugleich ein erster Überblick über die Veranstaltung sowie das Thema
Neurorobotik und seine aktuelle Relevanz gegeben wurde. Außerdem wurde ein Einblick in das Human
Brain Project gegeben und dessen Ziele, aktuelle Rezeption in den Medien sowie zukünftige
Aktivitäten vorgestellt. Anschließend fand der erste fachliche Vortrag statt, in dem Prof. Dr. Godehard
Brüntrup (Hochschule für Philosophie München) aus Sicht der Philosophie der Frage nachging, was es
für einen Roboter hieße zu denken. Als ein Beispiel aktueller Forschung in der
Bewusstseinsphilosophie stellte er die „Integrated Information Theory“ vor, die eine theoretische
Erklärung für die Entstehung von Bewusstsein gibt. Die anschließende ausführliche Diskussion der
TeilnehmerInnen mit Prof. Brüntrup zeigte dabei großes Interesse an der interdisziplinären Perspektive
des Symposiums. Nach einer kurzen Kaffeepause folgte eine von Florian Walter und Dr. Florian
Röhrbein gegebene Einführung in die Neurowissenschaften, an der sich nach einer weiteren
Diskussionsrunde ein Abendessen auf dem Campus der TU München anschloss.

Der zweite Tage des Symposiums begann mit einem Vortrag von Dr. Florian Röhrbein über
„Neurorobotics – State of the Art“, in dem er den Stand aktueller Forschung auf diesem Gebiet sowie
einige Aktivitäten des Neurorobotik-Unterprojektes des HBP vorstellte. Der nächste Vortrag wurde von
PD Dr. Stefan Artmann (Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Friedrich-Schiller-
Universität Jena) gegeben über das Thema „Künstliches Bewusstsein – Ein sinnvolles Ziel der
künstlichen Intelligenz?“, in dem er die Fragestellung aus philosophischer Perspektive eingehend
beleuchtete. Nach dem anschließenden Mittagessen beschäftigte sich PD Dr. Agnieszka Wykowska
(LMU München) mit der Frage, wie mittels der Verbindung kognitiver Neurowissenschaften und
Robotik bessere soziale Roboter entwickelt werden können und gab einen Einblick in die derzeitige
Forschung auf diesem Gebiet.

Das folgende „World Cafe“ bot weitere Möglichkeiten zur Diskussion, die auch intensiv genutzt
wurden, bevor im Rahmen eines Webinars ein kurzer Vortrag über „Brain Computer interfaces and
neuroprosthetics“ gegeben wurde.

Die abschließende Diskussionrunde zeigte erneut das große Interesse am behandelten Themenkomplex und verdeutlichte auch die Relevanz der Fragen nach den gesellschaftlichen Auswirkungen moderner Neurowissenschaften. Die hiermit beendete Veranstaltung bot insgesamt einen umfassenden Einblick in ein sehr aktives Gebiet aktueller Forschung in den Neurowissenschaften und ermöglichte auch die weitere Vernetzung von Mitgliedern des Elitenetzwerk Bayerns aus unterschiedlichen fachlichen Disziplinen und Studiengängen.

Bericht: Christian Fiedler, TU München