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Aktuelles

21.05.2015

Ein halbes Jahr Arizona

 

Während einer USA-Exkursion im Herbst 2012 war es Max Weber-Stipendiat Christoph Schwaller  möglich, erste Kontakte zu einem Professor der University of Arizona (UofA), Tucson, USA zu knüpfen. Dieser empfahl ihm damals die exzellente Ausbildung dieser Universität im Bereich der Geowissenschaften. Davon ermutigt und motiviert, wandte sich der Stipendiat an das Referat für internationale Angelegenheiten der LMU München, welches dann zusammen mit der UofA ein Austauschprogramm für alle Studienfächer ausarbeitete. Von August bis Dezember 2014 war der Student der Geowissenschaften an der University of Arizona und berichtet nun über seinen Auslandsaufenthalt.

Campus der UofA – Blick auf das Old Main Building[Bildunterschrift / Subline]: Campus der UofA – Blick auf das Old Main Building

Studium

Allgemein unterscheidet sich das Studium an einer amerikanischen Universität von dem an einer deutschen Hochschule hinsichtlich verschiedener Aspekte:

Da ich als Undergraduate-Student zu Besuch an der UofA war, musste ich mit meinen gewählten Kursen mindestens 12 Leistungspunkte abdecken. Im Vergleich zu den durchschnittlich 30 ECTS, die man in Deutschland im Rahmen des Bachelorstudiums pro Semester erbringt, mag dies als wenig erscheinen. Aber insgesamt waren die vier Kurse, die ich an der UofA gewählt hatte, mit mehr Arbeitsaufwand verbunden als dies für deutsche Kurse üblich ist. Während des Semesters waren in den Kursen umfangreiche Hausaufgaben und Paper einzureichen, welche einen wesentlichen Beitrag zur Endnote leisteten. Sogenannte midterms (Zwischenprüfungen) und quizzes (Kurztests) trugen ebenfalls mit zur Endnote bei. Am Ende des Semesters waren dann noch die Finals abzulegen.
Aufgrund dieser Art der Leistungserbringung wurde eine kontinuierliche Mitarbeit und intensive Auseinandersetzung mit dem behandelten Vorlesungsstoff garantiert, was zu einem nachhaltigen und umfassenden Verständnis desselben beitrug.

Relativ kleine Kursgrößen (10 bis 40 Studenten pro Kurs bzw. Vorlesung) schufen eine familiäre Lernatmosphäre und vereinfachten die Diskussion der Vorlesungsinhalte. Zudem war es dem / der Dozenten/in somit möglich, auf Fragen und Probleme der Studenten persönlich und effektiv einzugehen, was den Lernerfolg beträchtlich förderte.

Die Labortätigkeit im Rahmen eines Kurses ermöglichte es mir, mich mit dem theoretisch vermittelten Wissen intensiv in der Praxis auseinanderzusetzen, was ebenfalls zu einem vertieften Verständnis beitrug.

[Bildunterschrift / Subline]: Ausblick von der Unterkunft auf das off-campus Wohnheim „The Hub“

UofA und Tucson - das Leben vor Ort

Tucson ist mit etwa 520.000 Einwohnern nach Phoenix die zweitgrößte Stadt in Arizona. Zu den wichtigen Arbeitgebern der Stadt zählen unter anderem die Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie, die Elektroindustrie sowie die University of Arizona (ca. 40.000 Studenten).

Für Kulturbegeisterte bieten verschiedene Museen in und bei Tucson eine interessante Abwechslung zum universitären Alltag. Südlich von Tucson kann man auch die San Xavier Mission besichtigen, welche zu den ältesten spanischen Missionskirchen in den USA zählt.

[Bildunterschrift / Subline]: Zion National Park – Ausblick vom Observation Point

Die nähere Umgebung Tucsons eignet sich hervorragend zum Wandern. Sehr zu empfehlen sind der Sabino Canyon (Seven Falls), der Tanque Verde Canyon, die Romero Pools, Mount Lemon und der Coronado National Forest. Ein „Muss“ sind die Kartchners Caverns im Kartchner Caverns State Park – eine spektakuläre und einzigartige Kalksteinhöhlenwelt.

Das Wüstenklima in Arizona lässt monotone, langweilige Landschaften erwarten – dies ist jedoch nicht der Fall. Beim Wandern in den benachbarten Bergen durchläuft man die verschiedensten Vegetationszonen von Kakteen dominierten Wüsten über von Sträuchern bewachsene Steppen zu regenwaldähnlichen Zonen mit wuchernder Vegetation und artenreicher Fauna.

Während eines verlängerten Wochenendes (z.B. Thanksgiving) lohnt es sich, ein Auto zu mieten, um auch mal die fernere Umgebung Tucsons kennenzulernen. Der Grand Canyon, Bryce Canyon, Petrified Forest, Zion National Park und das Monument Valley sind mit dem Auto gut erreichbar und machen die dennoch weite Fahrt mehr als wett – einzigartige, atemberaubende Landschaften mit bilderbuchartiger Geologie.

[Bildunterschrift / Subline]: Exkursion zum Bryce Canyon

Auch die Universität bietet einige Freizeitaktivitäten an. Ein Surf- und Segeltrip nach San Diego, Kalifornien ermöglichte es den Austauschstudenten, sich vor dem eigentlichen Beginn des Semesters näher kennen zu lernen. Zudem wurden auch Ausflüge zum Grand Canyon oder anderen Sehenswürdigkeiten angeboten. In einem umfangreichen Sportprogramm, welches in den Sporthallen der Universität auf dem Campus angeboten wird, findet man einen willkommenen Ausgleich während der Lern- und Arbeitsphasen.

[Bildunterschrift / Subline]: Sonnenuntergang in der Nähe vom Monument Valley

Fazit

Mein Auslandssemester an der University of Arizona war eine der besten, interessantesten und wertvollsten Erfahrung während meines Bachelorstudiums. Neben dem akademischen Fortschritt war es auch eine wesentliche Erweiterung des eigenen Horizontes. Das Kennenlernen der kulturellen, politisch-sozialen, religiösen und universitären Unterschiede war eine einzigartige und unbezahlbare Bereicherung für die eigene Weltanschauung. Insgesamt habe ich die Leute (sowohl Einheimische als auch Austauschstudenten) als äußerst hilfsbereit, freundlich und offen wahrgenommen.

Campus der UofA – Blick auf das Old Main Building[Bildunterschrift / Subline]: Gruppenfoto mit der „internationalen Gemeinschaft“ am Old Main Building

Im Allgemeinen ist das Leben etwas weniger gesetzlich reglementiert und läuft etwas ruhiger und gemütlicher ab als in Deutschland - möglicherweise ein Überbleibsel des amerikanischen Pioniergeistes. Die „internationale Gemeinschaft“, die im Laufe des Semesters heranwuchs, stellte eine enorme Austauschmöglichkeit hinsichtlich verschiedenster Aspekte dar – es konnte ein Netzwerk geknüpft werden, welches sich über weite Teile der Welt erstreckt.

Einen Auslandsaufenthalt an der UofA kann ich somit sehr empfehlen und ich kann mir gut vorstellen, ein weiteres Mal in die USA zu gehen.

von Christoph Schwaller, Max Weber-Stipendiat (TU/ LMU München, Geowissenschaften)