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Aktuelles

28.07.2015

Auslandspraktikum am Kunsthistorischen Institut in Florenz, Max-Planck-Institut

Das Kunsthistorische Institut in Florenz ist eine deutsche Forschungseinrichtung und gehört zur Max-Planck-Gesellschaft. International ist das Institut mit seiner großen, auf Italien spezialisierten Bibliothek und Photothek verbunden mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris und der Bibliotheca Hertziana in Rom. Elisabeth Heider berichtet welche Erfahrungen und Erlebnisse sie dort sammeln konnte.

Blick auf den Dom von Florenz vom Turm des Palazzo Vecchio aus[Bildunterschrift / Subline]: Blick auf den Dom von Florenz vom Turm des Palazzo Vecchio aus

Von Mai bis Juli 2015 absolvierte ich in Florenz ein Auslandspraktikum am dort ansässigen Kunsthistorischen Institut. Ich hatte bereits ein Praktikum in Norditalien im Bereich des Tourismus absolviert und freute mich nun auf die wissenschaftliche Arbeit am Puls der Zeit in einem der renommiertesten Institute für Kunstgeschichte in Europa. Florenz als Herzstück der italienischen Kunst der Renaissancezeit stellte für mich dabei als Stadt auch einen großen Reiz dar. In den drei Monaten hatte ich genug Gelegenheiten, die zahlreichen Museen und Palazzi der Stadt mit ihren Sammlungen zu besuchen. Außerdem konnte ich weiter an meinen Italienischkenntnissen und der interkulturellen Kompetenz zum Land arbeiten.

Meine Bewerbung hatte ich schon einige Zeit im Voraus an die Verwaltung des Kunsthistorischen Instituts geschickt und hatte daraufhin einen Praktikumsplatz in der Photothek erhalten. Zusätzlich hatte ich eine Erasmusförderung beantragt, um den Kostenaufwand meines Auslandsaufenthaltes decken zu können. Florenz liegt als starker Touristenmagnet in den Lebenshaltungskosten im Vergleich mit anderen italienischen Städten im höheren Bereich. Großes Glück hatte ich mit meiner Wohnung, die ich über ehemalige Kommilitonen aus München fand, die ebenfalls in Florenz gearbeitet hatten. Meine WG war sehr zentral mit Blick auf den Dom und bot mit meinen zwei Mitbewohnerinnen, die ebenfalls am Institut arbeiteten, ein anregendes intellektuelles Umfeld.

Gigante Parco Mediceo di Pratolino - Villa Demidoff[Bildunterschrift / Subline]: Gigante Parco Mediceo di Pratolino - Villa Demidoff

Die Arbeit in der Photothek selbst war sehr vielseitig. Das im Jahr 1897 gegründete Kunsthistorische Institut hat über die Zeit eine Sammlung von mehr als 600.000 Fotografien in den Bereichen Malerei, Skulptur und Architektur mit dem geografischen Schwerpunkt auf Nord-, und Mittelitalien angesammelt. Der großen Anzahl des Bestandes entsprechend, ist die Einarbeitung der Fotos in die lokale Datenbank und das Digitalisieren eine der Haupttätigkeiten in der Photothek. Auch die Praktikanten leisten dabei einen wichtigen Teil der Arbeit in der Erfassung der Grunddaten zu den Fotografien. Mein thematischer Schwerpunkt waren Fotos von Gärten italienischer Villen. Die Kerndaten zu jedem Foto bestehen aus den Angaben zu Fotografen, Geografie, dem Zugangsdatum, der Herkunft, der Negativnummer und den Hintergrundinformationen wie in meinem Fall beispielsweise zugehörige Architekten. So konnte ich mich anhand der Villen und den anliegenden Gärten in die vielfältige, italienische Architektur verschiedener Epochen einarbeiten. Repräsentative Beispiele dafür sind die zahlreichen Landsitze der Medici oder die durch ihren Künstlerkreis im 20. Jahrhundert bekannte Villa Malta in Rom. In meinen Praktikumszeitraum fiel auch eine einwöchige Fotokampagne in einer privaten Villa am Rande von Florenz. So konnte ich von den organisatorischen Vorbereitungen einer Kampagne, der Auswahl des Motivs, dem Erstellen des Fotos, bis hin zum Nachbearbeiten und Inventarisieren jeden Schritt eines fotografischen Archivs erleben. Zudem bekam ich viele andere Aufgaben in Eigenverantwortung, wie das Layout eines Artikels für Wikipedia, das Eintragen von Informationen in eine Fotografendatenbank und die Literatur- und Bildrecherche in verschiedenen Themenbereichen. Auch Führungen internationaler Gäste und das Betreuen von Besuchern der Photothek waren Bestandteil der täglichen Arbeit. Insgesamt konnte ich so einen guten Einblick in die Arbeit und Aufstellung eines Archivs erlangen und am theoretischen und praktischen Arbeiten im weitreichenden geisteswissenschaftlichen Bereich teilhaben. Da die vielfältige Sammlung mein Interesse geweckt hat, werde ich meine anstehende Masterarbeit über eine Schenkung in der Photothek schreiben, die neben zahlreichen interessanten Fotos, auch Expertisen und Briefe von Kunsthistorikern in Italien und Deutschland beinhaltet.

Aussicht von Volterra[Bildunterschrift / Subline]: Aussicht von Volterra

Vor allem auch das Leben in Florenz und am Institut hat mir sehr gut gefallen. Tagsüber wurden oft Ortsbesuche angeboten, bei denen man mit Kuratoren oder Restauratoren Ausstellungen und Kirchen besuchte. Abends gab es Vorträge zu den verschiedensten Themen von internationalen Gästen aus Europa und den USA. Zwei Beispiele dazu sind ein Vortrag von Irving Lavin, einem ehemaligen Professor aus Princeton, und ein Vortrag des Fotokünstlers Joachim Schmid aus Berlin. Außerdem hatte ich die schöne Gelegenheit zwei Ausstellungseröffnungen besuchen zu können, eine in den Uffizien und die zweite im Palazzo Pitti. Am Wochenende unternahm ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen sowie Freundinnen und Freunden oft Ausflüge in die näher gelegenen Städte wie Siena oder Volterra. Um den Touristen und den im Juni und Juli sehr hohen Temperaturen in der Stadt kurzzeitig ein wenig zu entfliehen, besuchte ich außerdem auch die Landvillen in der Umgebung, die ich teilweise auch bearbeitet hatte. Ein sehr sehenswerter Park ist der Parco Mediceo di Pratolino - Villa Demidoff, in dem im Sommer vor dem dortigen Seerosenteich mit seinem „Gigante“ abends immer wieder klassische Konzerte gespielt werden. In Florenz selbst boten sich abends die zahlreichen Bars als Treffpunkt für einen Studentenbudget-freundlichen Aperitivo am Arno oder an einem der schönen Plätze im Renaissancestil an.

Insgesamt bin ich mit meinem Aufenthalt in Florenz sehr zufrieden. Ich konnte meine bisherigen fachlichen Kenntnisse aus dem Studium und meinem ersten Praktikum erweitern und mein Italienisch vor allem in der Fachsprache noch verbessern. Im internationalen Arbeitsteam in der Photothek konnte ich mich persönlich und auch für die Zukunft im professionellen Bereich weiterentwickeln. Ich bekam einen guten Einblick in die wissenschaftliche Arbeit an einem internationalen Forschungsinstitut und konnte noch einmal kulturübergreifend Erfahrungen sammeln. Florenz als Stadt bot dabei für mich die passende Kulisse aus Kunst und Kultur, in der es immer ein Museum, eine Ausstellung oder ein anderes kulturelles Event zu besuchen gab. Ich freue mich, dass ich durch meine Masterarbeit über die Schenkung in der Photothek die vielen geknüpften Kontakte zu Kollegen und die zahlreichen Freundschaften durch weitere Besuche in naher Zukunft aufrechterhalten kann.

Text und Fotos: Elisabeth Heider, Kunstgeschichte, Universität Regensburg