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Aktuelles aus den Elitestudiengängen

Lange Nacht der Wissenschaften 2015

Unter dem Thema "Was soll es bedeuten? Die Welt im Text" beteiligte sich der Elitestudiengang "Ethik der Textkulturen" zum fünften Mal an der Langen Nacht der Wissenschaften am 24. Oktober 2015 in Erlangen. Sina Fehr und Jasmin Meier, zwei Studentinnen des Elitestudiengangs Ethik der Textkulturen, berichten darüber.

Foto: Manuela Unger

Im Zentrum des Abendprogramms standen die vier vortragenden Studierenden, die ihre interdisziplinären Beiträge thematisch auf für den Studiengang relevante Untersuchungsgegenstände ausrichteten: sprachliche Bedeutung und textförmiges Verstehen von Welt und Wirklichkeit.

Den Abend eröffnete Alexander Laska mit seinem Vortrag Das Ringen um die richtigen Worte in den Naturwissenschaften, in dem er die Physik als Textkultur begreift und untersucht. Da in diesem naturwissenschaftlichen Feld ausgesprochen viel Text produziert wird, ist auch ein Ringen um die richtigen Worte für wahre Texte bzw. wahre Aussagen beobachtbar. Im ersten Moment könnte man meinen, es gehe in der Physik nur darum, etwas zu beobachten oder festzustellen und es dann aufzuschreiben; dieses Aufschreiben kann aber schnell zur Herausforderung werden, wenn die herkömmlichen Begriffe nicht ausreichen oder nicht mehr richtig passen wollen, um das Beobachtete zu beschreiben.

Diese Problematik begegnet uns nicht nur im Kontext von naturwissenschaftlichen Beschreibungen, auch in anderen Bereichen und sogar im Alltag kann es vorkommen, dass die Sprache verstummt und sich Schweigen breit macht. Seine Gedanken zu diesem Phänomen teilte der Referent Bernd Straußberger mit seinem Beitrag Zwei Arten zu Schweigen bei Howard Phillips Lovecraft und The Elder Scrolls V: Skyrim mit dem Publikum. Während in der Handlung des Computerspiels der Sprache in ihrer Schwesternschaft zur Zauberei und Magie eine gefährliche Rolle zugeschrieben wird und so Schweigen zur Rücksichtnahme wird, kommt es in  H. P. Lovecrafts Werk aus Mangel an Worten zum Schweigen. Lovecrafts Protagonisten, die den Namenlosen – seinen Monstern und Ungeheuern – begegnen, verstummen und können über ihr Erlebtes nicht sprechen. Für diese unnennbaren Wesen lassen sich keine Worte finden: sie stehen für etwas, was sich der Sprache und somit auch der Vernunft entzieht und bei den Rezipienten ein Unbehagen – eine Furcht vor dem Unsagbaren – auslöst.

Einen Einblick in die Praxis, jemandem oder etwas Bedeutung durch Namensgebung zu verleihen, gewährte Joachim Peters durch seinen Beitrag Der Name als Programm - Von der Entstehung germanischer Personennamen aus Eigenschaftsbezeichnungen. Er begeisterte die Zuhörerschaft mit einem Exkurs in die Geschichte unserer germanischen Vor- und Familiennamen und ihre Bedeutungshintergründe; ein Problem, das die Menschen in Europa anscheinend schon seit gut 1000 Jahren beschäftigt, wie er aufzeigen konnte.

Neben der interaktiven Ausstellung, die sich zum einen regional variierenden Wortbedeutungen widmete und zum anderen in einer Hommage an Raymond Queneau den Besuchern die Möglichkeit eröffnete, eine Version von seinem Gedicht Hundred Thousand Billion Poems auszudrucken, rundete der letzte Abendvortrag ‘Wir müssen wahre Sätze finden.‘  – (Literarische) Sprachkrise(n) in der Vergangenheit und Gegenwart von Julia Landgraf den Abend der Langen Nacht der Wissenschaften gelungen ab. Während um 1900 die allgemeine Orientierungslosigkeit und um 1945 der Missbrauch der Sprache durch die Nationalsozialisten die literarische Sprache in eine Krise versetzte, muss sie sich gegenwärtig im Zeitalter der Medien gegenüber der Bilder- und Informationsflut behaupten und neu erfinden. Am Beispiel der Gegenwartsautorin Herta Müller und dem Schriftsteller Thomas Lehr wurde gezeigt, wie durch das Problematisieren der Sprache selbst die Sprachkrise heute produktiv überwunden werden kann. So ergibt sich die Möglichkeit für neue sprachliche Gestalten, die beispielsweise die Leserschaft auffordern, in einer Art von ethischem Dialog an den Sinn- und Bedeutungsgebungsprozessen des Textes selbst mitzuwirken.

von Sina Fehr und Jasmin Meier, Elitestudiengang Ethik der Textkulturen
Foto: Manuela Unger, Alumna des Elitestudiengangs Ethik der Textkulturen

veröffentlicht am