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Forschungsarbeit

Autoantikörper bei Kindern mit Multipler Sklerose 

Von Anne-Katrin Pröbstel (09.10.2013)

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS: Gehirn und Rückenmark), bei der es durch autoimmune Prozesse (d.h. Teile des Körpers werden fälschlicher Weise als „fremd“ erkannt) zu einer Zerstörung der Isolationsschicht der Nervenfasern kommt. Sie tritt klassischer Weise im jungen Erwachsenenalter auf, mit einer Bevorzugung des weiblichen Geschlechts (w:m=ca. 2-4:1). Nur ca. 10% der Patienten sind Kinder. Die genaue Krankheitsursache ist bisher ungeklärt. Unter anderem wird diskutiert, dass Autoantikörper gegen die isolierende Myelinschicht eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen. Die Multiple Sklerose im Kindesalter ist im Gegensatz zum Auftreten bei Erwachsenen noch wenig untersucht.

Proebstel: Abb. 1[Bildunterschrift / Subline]: Abb. 1: Anti-MOG (Myelin Oligodendrozyten Glykoprotein) Reaktivität in kindlichen und erwachsenen Patienten und Kontrollen gemessen im Durchflusszytometer mit MOG exprimierenden Zellen (ADEM=akute disseminierte Enzephalomyelitis, CIS=klinisch isoliertes Syndrom, MS=Multiple Sklerose; OND=andere neurologische Erkrankungen, ONND=andere nicht-neurologische Erkrankungen, HD=gesunde Kontrollen). Ca. 30% der kindlichen Patienten mit ADEM, CIS und MS haben Antikörper gegen MOG. (Aus Pröbstel et al. Neurology, 2011 Aug 9; 77(6):580-8.)
Proebstel: Abb 2[Bildunterschrift / Subline]: Abb. 2: Zeitlicher Verlauf der anti-MOG Antikörper in Patienten mit ADEM, einer akuten entzündlichen Gehirnerkrankung (A), und MS, einer chronischen Erkrankung (B). [...] (Aus Pröbstel et al. Neurology, 2011 Aug 9; 77(6):580-8.)

Wir haben uns die Frage gestellt inwieweit Autoantikörper gegen Gehirnproteine eine Rolle bei Kindern mit Multipler Sklerose sowie einer der MS ähnlichen jedoch nicht chronisch verlaufenden Erkrankungen, der akuten disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM), spielen. Hierzu haben wir aus gesundem Hirn humaner Spender post-mortem Proteine der grauen und weißen Gehirnsubstanz isoliert und mittels eines Trennungsverfahrens (Elektrophorese) auf einer Membran aufgetrennt. Durch Zugabe von Seren von Patienten und Kontrollen untersuchten wir, ob diese Gehirnproteine durch mögliche Autoantikörper im Blut erkannt wurden. Mittels Massenspektrometrie identifizierten wir die potenziellen Autoantigene. Durch das Testen rekombinanter Proteine (Enzyme-linked Immunosorbent Assay, ELISA) und Zelllinien, welche die identifizierten Proteine auf ihrer Oberfläche exprimieren (Durchflusszytometrie), verifizierten wir die spezifische Antigenerkennung.  

Wir konnten zeigen, dass Autoantikörper gegen Myelin Oligodendrozyten Glykoprotein (MOG) - einem Glykoprotein auf der Oberfläche der Nervenscheiden - in ca. 1/3 der kindlichen MS Patienten und nur selten in erwachsenen Patienten vorhanden sind, nicht aber in Kontrollen. Zudem konnten wir in Langzeitstudien zeigen, dass bei Kindern mit Multipler Sklerose, einer chronischen Erkrankung, die Antikörper über die Zeit persistieren, wohingegen die Antikörper in Patienten mit akuter disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM), einer akut verlaufenden entzündlichen Erkrankung, verschwinden und somit mit dem Krankheitsverlauf korrelieren. Anti-MOG Antikörper könnten in Zukunft als Biomarker für eine Untergruppe der kindlichen MS fungieren und die Grundlage für gezielte Therapien bilden. 


Wissenschaftlicher Werdegang
  • 2005-2012
  • Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 2007-2011
  • Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
  • seit 2012
  • Postdoc am Universitätsspital Basel

Publikationen
  • * Proebstel A et al Antibodies to MOG are transient in childhood acute disseminated encephalomyelitis. Neurology, 2011 Aug 9; 77(6):580-8.