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Forschungsarbeit

Was ist Digitale Spaltung und ist Deutschland davon betroffen?

Von Heinrich Rusche (27.05.2013)

Unter dem Begriff der Digitalen Spaltung versteht man die Ungleichverteilung der Zugangschancen zu PCs, dem Internet und anderen digitalen Technologien. Dieses Problem lässt sich dabei nicht nur weltweit nachweisen, sondern existiert auch in Deutschland. Dabei fällt auf, dass insbesondere Arbeitslose und vergleichbare sozial benachteiligte Gruppen nur unzureichend an den Chancen und Möglichkeiten digitaler Technologien partizipieren. Dies verschlechtert ihre Situation jedoch noch weiter und verhindert ihre Teilnahme an einigen Bereichen des sozialen Lebens. Die Digitale Spaltung kann für diese Menschen deshalb eine Abwärtsspirale verstärken, aus der sie sich nur schwer wieder befreien können. Es ist Aufgabe der Bundesregierung durch das Setzen von Investitionsanreizen den Ausbau des Breitbandinternets und die Nutzung von PCs in Deutschland voranzutreiben. 

Der Zugang zu PCs und digitalen Technologien ist für die Menschen unserer Zeit von ganz grundsätzlicher Bedeutung. Das Internet ist zu einer zentralen Informations- und Kommunikationsplattform herangewachsen. Es stellt einen Knotenpunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben vieler Bürger dar. Online werden Veranstaltungen organisiert und beworben, Kontakte zu Freunden und Bekannten auf- und ausgebaut sowie Informationen über potentielle Arbeitgeber eingeholt und Bewerbungen verschickt. Der Zugang zu PCs und dem Internet stellt mittlerweile deshalb eine notwendige Bedingung für die umfängliche Teilhabe am öffentlichen Meinungsbildungsprozess dar. Schon aus Gründen der demokratischen Beteiligung müssen Gesellschaften deshalb den unbeschränkten Zugang zu diesen Technologien für jeden Bürger sicherstellen.

Umso besorgniserregender ist es, dass die relativen Unterschiede in der Nutzung von PCs und dem Internet weltweit immer größer werden. Die Nutzung von PCs und dem Internet ist in weniger entwickelten Ländern geringer ausgeprägt als in den U.S.A. und Europa. So hatten in Afrika noch im Jahr 2007 nur 4% der Menschen einen Zugang zum Internet. In einigen Ländern wächst die PC Nutzung sogar weniger stark als in Europa, was vermuten lässt, dass sich diese Entwicklung mit der Zeit nicht von selbst auflösen wird, sondern sich immer weiter verfestigt. [1] In der Literatur werden diese Themen unter dem Begriff „Digitale Spaltung“ oder auch „Digitale Kluft“ (engl. digital divide) diskutiert. [2]

Rusche: Abb. 1[Bildunterschrift / Subline]: Abbi. 1: Schaubild der weltweiten digitalen Kluft. Je dunkler die Farbe, desto mehr Computer pro hundert Einwohner.

Anzunehmen, dass Deutschland von der Digitalen Spaltung nicht betroffen ist, wäre jedoch zu kurz gedacht. Gemäß neuen Daten aus dem Jahr 2012 verfügen über 42% der Deutschen über keinen Breitbandinternetanschluss und über 24% der Deutschen verfügen sogar über gar keinen Internetzugang. Die Nutzung dieser digitalen Technologie korreliert dabei besonders stark mit dem Bildungsniveau und der Berufstätigkeit der Betroffenen. Menschen, die nur über einen Hauptschulabschluss verfügen, besitzen zu knapp 40% keinen Zugang zum Internet. Unter den nicht erwerbstätigen Deutschen liegt dieser Wert ebenfalls bei 40%. Zudem korreliert der Zugang zum Internet auch stark mit dem Haushaltsnettoeinkommen der Deutschen. Haushalte mit einem Nettomonatseinkommen von über 3.000 EUR verfügen zu etwa 93% über einen Internetzugang. Haushalte mit einem Nettomonatseinkommen von unter 1.000 EUR verfügen jedoch nur zu knapp 55% über einen Internetzugang. [3]

Diese Zahlen zeigen, dass von der Digitalen Spaltung in Deutschland gerade die Menschen betroffen sind, die es am härtesten trifft. Geringqualifizierte und Arbeitslose könnten PCs und das Internet besonders sinnvoll einsetzen, um sich über Fortbildungsangebote zu informieren und um auf potentielle neue Arbeitgeber zuzugehen. Tatsächlich besitzen aber 19% der Deutschen nicht einmal einen PC. Wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen, ist ein wesentlicher Grund für die Digitale Spaltung in Deutschland, dass sich viele Menschen den Zugang zu digitalen Technologien schlicht nicht leisten können. So gaben 24% der Befragten an, dass zu hohe Anschaffungskosten für sie der Grund seien, keinen Internetzugang zu besitzen. [4]

Der Deutsche Bundestag hat dieses Problem schon im Jahr 2002 erkannt und Empfehlungen zur Überwindung der Digitalen Spaltung in Deutschland und der konkreten Ausgestaltung verschiedener Investitionsanreize zum Ausbau der Internetbreitbandabdeckung erarbeitet. [5] In diesem Zusammenhang haben sich verschieden Initiativen, wie der Bundesverband Initiative gegen die digitale Spaltung – geteilt.de e.V. [6], gegründet, die sich dem Ziel der Überwindung der Digitalen Spaltung in Deutschland widmen.

Rusche: Abb. 2[Bildunterschrift / Subline]: Abb. 2: Spende von PCs und LCD-Monitoren durch das „Evangelische und Johanniter Klinikum Niederrhein“ an die soziale Initiative Digital Helpers

Aus dieser Analyse des Fortschritts der digitalen Spaltung in Deutschland lassen sich zwei Ansatzpunkte herleiten, um etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen. Erstens muss bundesweit die flächendeckende Versorgung mit Breitband-Internetanschlüssen sichergestellt werden. Durch das Setzen von Investitionsanreizen kann die Bundesregierung diesen Ausbau auch in bevölkerungsarmen Regionen Deutschlands unterstützen. Zweitens muss auch solchen Menschen ein Zugang zu PCs offenstehen, die sich solche Geräte aus eigenen Mitteln nicht leisten können. Arbeitslose können Anschaffungskosten derzeit jedoch nicht als sog. Wohnungserstausstattung im Sinne des Sozialgesetzbuchs geltend machen. [7] Private Initiativen könnten hier ansetzen, um aussortierte PCs an Bedürftige umzuverteilen, die anderswo nicht mehr benötigt werden.

 

Literaturverzeichnis

[1] Pew Research Center (2007), World Publics Welcome Global Trade – But Not Immigration, 47-Nation Pew Global Attitudes Survey, S. 73.

[2] Hilbert, M. (2011), The End Justifies the Definition: The Manifold Outlooks on the Digital Divide and their Practical Usefulness for Policy-Making, in: Telecommunications Policy, 38. Jg., Nr. 8, S. 715f.

[3] Initiative D21 (2012), (N)ONLINER Atlas 2012 – Basiszahlen für Deutschland, Eine Topographie des Digitalen Grabens Durch Deutschland, S. 5ff.

[4] Statistisches Bundesamt (2011), Wirtschaftsrechnungen, Private Haushalte in der Informationsgesellschaft – Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, Fachserie 15, Reihe 4, S. 7.

[5] Deutscher Bundestag (2002), Schlussbericht der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten, Drucksache 14/9200, S. 276.

[6] Bundesverband Initiative gegen die digitale Spaltung – geteilt.de e.V. ( www.geteilt.de ).

[7] Landessozialgericht NRW, Beschluss vom 23.04.2010, AZ: L 6 AS 297/10 B.


Wissenschaftlicher Werdegang
  • 10/2009 – 07/2012
  • B.Sc. Betriebswirtschaftslehre, B.A. Philosophie (LMU München)
  • 02/2011 – 06/2012
  • Elitestudiengang Technology Management (Center for Digital Technology and Management)
  • Seit 10/2012
  • M.Sc. Accounting and Finance (London School of Economics & Political Science)

Preise und Stipendien (Auszug)
  • Seit 04/2010
  • Stipendiat des Cusanuswerks
  • Seit 10/2010
  • Stipendiat des Max Weber-Programms
  • 04/2012
  • Preisträger Ideenwettbewerb „Nachhaltige Services“ des Fraunhofer Instituts