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Forschungsarbeit

Der Stein macht die Musik - Wie ein Tisch durch die Bewegung von Steinen Musik komponiert

Von Philipp Pötzl, Kai Linde, Max Meier, Bettina Conradi, Peter Lachenmaier und Markus Bischof

Sechs Studierende der „Softwaretechnik“ (Universität Augsburg) entwarfen „Xenakis“ – einen Tisch, der durch die Bewegung von Steinen Zufallsmusik komponiert

Um mit dem XENAKIS Tisch musizieren zu können, sind weder ein Musikstudium noch Unterricht nötig. Denn der XENAKIS Tisch ist ein neuartiges Musikinstrument: Es reicht, Steine auf der Gasplatte zu verschieben, um Musik zu erzeugen, neuartige Musik, versteht sich. Ideen und Namensgeber für die neue musikalische Erfindung ist der griechische Komponist Iannis Xenakis. Seine Kompositionsweise zeichnete sich dadurch aus, dass sie von mathematischen Prinzipien Gebrauch macht und den Zufall in die Musik einbezieht. Dadurch schuf der Komponist im 20. Jahrhundert die so genannte „stochastische Musik“.

Bild 1: Xenakis

Während eines Softskillseminars im Frühjahr 2007 kamen sechs Studierende der Softwaretechnik im Elitenetzwerk Bayern auf die Idee, diese Prinzipien und die stochastische Musik allgemein zugänglicher zu machen. Dazu entwickelten Philipp Pötzl, Kai Linde, Max Meier, Bettina Conradi, Peter Lachenmaier und Markus Bischof während des Sommersemesters 2007 den XENAKIS Tisch als eine Art Kompositionsmaschine. Und so funktioniert XENAKIS:  Auf einer Glasplatte liegen Steine, deren Position eine unter dem Tisch montierte Kamera erkennt, und diese Position in Musik- und Lichteffekte transformiert. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Steinen: Instrument-, Notenhöhe- und Notenlänge-Steine. Ein Instrument spielt die Notenhöhe und –länge von Steinen, die in seiner Nähe liegen. Welchen es dafür letztendlich wählt, entscheiden die Entfernung und der Zufall. Je näher ein Stein am Instrument liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er als nächstes ausgewählt wird. Den spielenden Stein kann man nicht nur hören, sondern auch sehen: Spielt ein Instrument einen Notenhöhe oder -länge, erleuchtet es diesen gleichzeitig durch Lichteffekte.

Bild 2: Xenakis

Im Oktober 2007 präsentierten die Studenten den XENAKIS Tisch auf der „Lab30“ erstmals einer breiten Öffentlichkeit, die diese Neuentwicklung mit Begeisterung aufnahm: Befragungen ergaben, dass XENAKIS das beliebteste Ausstellungsstück der Besucher war. Erneut wurde der Tisch nun im Februar auf der internationalen Konferenz „Tangible Embedded Interaction“ (TEI) in Bonn vorgestellt. Diese Tagung ist ein wichtiges Forum für Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus aller Welt, die dort die neuesten Entwicklungen im Bereich der Mensch-Maschinen-Interaktion diskutieren mit dem Ziel, die Bedienung von Computern zu vereinfachen. Die 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich begeistert von der Erfindung aus Augsburg: Der XENAKIS Tisch wurde als innovativste Idee ausgezeichnet und die Studierenden der Softwaretechnik mit dem Preis, ein von der Firma Percussa gestiftetes Paar Audio Cubes, belohnt. „Wir freuen uns über diese Anerkennung um so mehr, als auf diesem Gebiet in der Regel die US-Amerikaner die Nase vorn haben“, erklärte Prof. Dr. Elisabeth André. An ihrem Lehrstuhl für Multimedia-Konzepte und ihre Anwendungen haben die sechs Softwaretechnik- Studierende das Projekt XENAKIS entwickelt. Nun wird der Xenakis-Tisch erneut auf einer Tagung präsentiert: Von 5. bis 8. Mai ist er auf der FMX/08 in Stuttgart zu bewundern, einer internationalen KOnferenz zum Thema "Animation, Effects, Games and Digital Media".


Was aber ist XENAKIS nun eigentlich? Wirklich ein Musikinstrument? Oder doch eher eine Computeranimation? Oder eine Anwendung? Die Haltung der Erfinder dazu ist recht eindeutig: Ein Musikinstrument, denn man interagiert nicht direkt mit einem Computer, sondern mit greifbaren Objekten, die Musik erzeugen – wie beim Spielen eines Instrumentes. Oder: Die Technik tritt soweit in den Hintergrund zurück, dass XENAKIS im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht zu bedienen ist.

Bild 3: Der Xenakis Tisch spielt Musik

Philipp Pötzl, Kai Linde, Max Meier, Bettina Conradi, Peter Lachenmaier und Markus Bischof