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Forschungsarbeit

Die Rolle der strategischen Planung im multimodalen Strategieprozess

Von Sina Maier (03.09.2014)

In Literatur und Praxis werden Strategieprozesse derzeit, trotz zunehmend wechselnder Rahmenbedingungen für Unternehmen, größtenteils als singuläre Prozesse verstanden. Integrative Perspektiven, die multiple Prozesse berücksichtigen, liegen bislang nur in geringer Anzahl vor und bleiben zudem unvollständig. Darüber hinaus stellt die terminologische Ambivalenz im Gebiet der Strategieprozessforschung ein Hindernis für die Kongruenz der Erklärungsansätze dar. Besonders auffällig ist dabei die mangelnde Differenzierung der Begriffe Strategieprozess und strategische Planung. Ferner belegen empirische Studien, dass die strategische Planung lediglich einen geringen Einfluss auf die von Unternehmen realisierten Strategien hat. Damit stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung der strategischen Planung.

[Bildunterschrift / Subline]: Zusammenspiel der vier grundlegenden Strategieprozesse

Ziel dieses Forschungsvorhabens war es zunächst die Begriffe Strategieprozess und strategische Planung voneinander abzugrenzen. Im Anschluss daran erfolgte eine Analyse des Forschungsstandes zum Thema Strategieprozess. Die darauffolgende Untersuchung zur Rolle der strategischen Planung im Zeitverlauf wies auf eine veränderte Funktion in der Strategiegenese hin. Dies gab Anlass zur Neuzuordnung der beiden oben genannten Begriffe. Hierbei zeigte sich, dass die strategische Planung einen Subprozess des Strategieprozesses darstellt. Die Notwendigkeit der Behandlung eines multimodalen Strategieprozesses wurde somit deutlich.

Als Beispiel für die mehrdimensionale Betrachtung des Strategieprozesses wurde der integrative Erklärungsansatz nach Kranz (2007) vorgestellt. Dieser baut auf vier grundlegenden Strategieprozessen auf: strategische Planung, Strategieprojekte, autokratische Vorgaben und autonomes Verhalten. Mit Hilfe dieser Prozesstypen ist es laut Kranz (2007) möglich, den überwiegenden Teil der Strategieentwicklung in Unternehmen zu erklären.

Zur Validierung dieses Ansatzes erfolgte schließlich eine Untersuchung von Strategieprozessen einzelner Unternehmen anhand von Fallbeispielen. Dabei konnte in allen vier betrachteten Fällen die Multimodalität des Strategieprozesses festgestellt werden. Des Weiteren bestätigte sich, dass die strategische Planung einen Subprozess des Gesamtstrategieprozesses darstellt und ihre Rolle einem kontinuierlichen Wandel unterworfen ist. Während die strategische Planung früher vor allem eine kontrollierende Funktion wahrnahm, die eine Entwicklung konkreter Strategien zum Ziel hatte, fungiert sie heute primär als Koordinationsmechanismus. Ihre Aufgabe liegt insbesondere darin, die Konsistenz der strategischen Aktivitäten auf den verschiedenen Ebenen und Bereichen des Unternehmens sicherzustellen. Dabei bildet sie eine Plattform für Kommunikation, Informationsaustausch und organisationales Lernen im Unternehmen.

Mit dem Bewusstsein der Multimodalität des Strategieprozesses wird die diesem innewohnende Komplexität greifbarer. Die Kenntnis der zugrundeliegenden Subprozesse erlaubt eine präzisere Steuerung und Einflussnahme der Unternehmensleitung auf die einzelnen Instrumente und Beteiligten im Strategieprozess. Die Fallbeispiele verdeutlichen exemplarisch die Notwendigkeit der situativen Gestaltung und Konfiguration der Strategieprozesstypen in der Praxis.


mailto: Sina Maier
Sina Maier
* 1988

Wissenschaftlicher Werdegang
  • 2008-2010
  • B.Sc. in Betriebswirtschaftslehre, Universität Regensburg
  • 2010-2011
  • M.Sc. in Betriebswirtschaftslehre, Universität Regensburg
  • 2011-2012
  • "Honors"-Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre (M.Sc.)

Preise und Stipendien
  • * Stipendium des Max Weber-Programms
  • * 2. Platz beim Postbank Finance Award 2011
  • * Beste im Studiengang „Betriebswirtschaftslehre“