ELITE NETZWERK BAYERN

English  Sprachen Icon  |  Gebärdensprache  |  Leichte Sprache  |  Kontakt


Forschungsarbeit

Invention und Reproduktion im Spannungsfeld.
Das druckgraphische Werk von Paul Klee

Von Dr. Susanne Kaufmann (24.06.2014)

Paul Klee, der unbestritten zu den einflussreichsten deutschsprachigen Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt, schuf ein Œuvre, das zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 1940 fast 9.500 Arbeiten umfasste. Darunter befinden sich 111 in einer druckgraphischen Technik entstandene Werke, vornehmlich Radierungen und Lithographien sowie, abweichend von den meisten Graphikern seiner dem Expressionismus verpflichteten Zeitgenossen, nur eine kleine Anzahl von Holzschnitten. Obwohl die Druckgraphik im Vergleich zu Klees Gesamtwerk, das hauptsächlich aus Zeichnungen, Aquarellen und Ölgemälden besteht, eine zahlenmäßig überschaubare Gruppe darstellt, ist keineswegs von einer untergeordneten Rolle des druckgraphischen Mediums auszugehen. In einzelnen Schaffensphasen, insbesondere im Frühwerk bis etwa 1913, nehmen seine Arbeiten in den Vervielfältigungstechniken eine herausgehobene Bedeutung ein.

Vor diesem Hintergrund konnte die 2013 an der LMU München abgeschlossene Dissertation, das von der Forschungsliteratur bisher nur sehr einseitig beachtete druckgraphische Gesamtwerk von Paul Klee einer umfassenden Neubewertung unterziehen. Dabei wurden insbesondere mit Blick auf das künstlerische Umfeld des Künstlers Kontinuitäten und Brüche aufgezeigt, die Klees druckgraphisches Werk nicht nur innerhalb seines Gesamtœuvres verorten, sondern auch dessen bisher nicht erkannte Bedeutung im zeithistorischen Kontext darlegen. Die Relevanz der Druckgraphik für Klees künstlerisches Schaffen wurde hinsichtlich seiner Stilentwicklung und der wachsenden öffentlichen Resonanz als beispielhaft für eine außergewöhnliche Künstlerkarriere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachgezeichnet. Dabei lag – vor dem Hintergrund publizistischer wie ökonomischer Prozesse, die mit der druckgraphischen Gattung in Verbindung gesehen werden müssen und einen engen Austausch mit dem künstlerischen wie wirtschaftlichen Umfeld bedingen – der Schwerpunkt auf einer sozialhistorischen Herangehensweise. Die analytische Betrachtung des druckgraphischen Werks von Paul Klee konnte bislang unbeachtete Facetten nachweisen und offenbart zahlreiche neue Erkenntnisse zu einem Ausnahmekünstler des 20. Jahrhunderts. So bestätigt sich eine Aussage, die Ernst Ludwig Kirchner bereits 1921 getätigt hatte: „Nirgends lernt man einen Künstler besser kennen als in seiner Graphik.“


Wissenschaftlicher Werdegang
  • 2003-2009
  • Magister Artium (Kunstgeschichte, Geschichte, Germanistik), LMU München
  • 2009-2013
  • Dr. phil. in Kunstgeschichte, LMU München, Dissertationsthema: „Invention und Reproduktion im Spannungsfeld. Das druckgraphische Werk von Paul Klee im Kontext der Graphik-Welle im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts“
  • 02/2011 - 06/2011
  • Auslandsstipendium des DAAD, Forschungsaufenthalt im Zentrum Paul Klee, Bern, Schweiz

Publikationen (Auszug)
  • * Susanne M. I. Kaufmann: Schorsch Kamerun über die Bedeutung von Sprache – ein Gedankenaustausch, in: Paradiessprache, hrsg. v. Sabine Weingartner, Hamburg: Textem Verlag 2012.
  • * Susanne M. I. Kaufmann: Die Künstlervereinigung Sema. Eine Künstlergruppierung zwischen expressionistischer Kunstauffassung und den Mechanismen des Kunstmarktes. Magisterarbeit. Open Access LMU / Geschichts- und Kunstwissenschaften, Nr. 38 (2008), ver
  • * Susanne M. I. Kaufmann, Silvia Mehrwald: Schauplätze des Wissens. Konstitutionsbedingungen ‚wissenschaftlicher‘ Tatsachen in der Frühen Neuzeit, in: Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit. 15.-17. Jahrhundert, Sonderforschungsbereich 573,