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Forschungsarbeit

Internationaler Hochschulwandel -
Ein Vergleich US-amerikanischer und deutscher Universitäten und
Karrieremuster im Kontext der Europäisierung des Hochschulraumes

Von Stephanie Beyer (27.03.2014)

Bereits zu Beginn der 80er Jahre kam es in den USA zu einem tiefgreifenden Wandel der Hochschullandschaft. Der Grund waren Kürzungen der Grundmittel öffentlicher Universitäten, bei gleichzeitiger Erweiterung von Drittmittelgeldern (Slaughter & Rhoades 2004; Münch 2010). Eine Konsequenz dessen war die Transformation der Universität von der akademischen Gemeinschaft zu einem Unternehmen (Maasen & Weingart 2007 und 2008; Münch 2010). Dieser Trend zum „akademischen Kapitalismus“ wirkt sich bis heute insbesondere auf Forschung und Lehre aus. Die Universität erscheint nun als ein Akteur (Meier 2009) und muss sich in einem Kampf um Ressourcen positionieren, was eine Verschärfung materieller (Gelder) und symbolischer Ungleichheiten (Prestige) zur Folge hat. 

Diese Positionierung findet ihren Ausdruck in öffentlichen Rankings, wie dem US News & World Report und dem Shanghai Ranking, die zwar im Kontext der USA entstanden sind, heute aber einen beträchtlichen internationalen Einfluss haben (Sauder & Espeland 2009; Münch 2010). US-amerikanische Universitäten, welche diese Rankings anführen und sich weltweit durch einen exzellenten Ruf auszeichnen, werden als „Leuchttürme des Wissens“ gesehen.

[Bildunterschrift / Subline]: Abbildung 1: Anzahl der Universitäten im Shanghai Ranking nach Ländern im Bereich Soziologie (Top 100 und Top 20)

Dadurch erhält die amerikanische Hochschullandschaft Vorbildcharakter und stellt eine wichtige Orientierungshilfe für die gegenwärtigen Reformen im deutschen sowie europäischen Raum dar, besonders im Hinblick auf die Exzellenzinitiative (Münch 2007; Hartmann 2007, 2010; Kieser 2010). Den Impuls zu strukturellen Veränderungen gab im europäischen Raum der Bologna-Prozess, welcher jedoch noch nicht abgeschlossen ist.

In diesem Zusammenhang wird für das deutsche Universitätssystem eine ebensolche Transformation hin zu einer verstärkten Ausrichtung auf Marktmechanismen prognostiziert (Münch 2010). Allerdings bilden insbesondere vergleichende empirische Studien, welche explizit Ähnlichkeiten und Unterschiede des Hochschulbereichs in verschiedenen Ländern untersuchen, die Minderheit (Engels 2006; Kehm 2011). 

Um diese Forschungslücke zu schließen, soll ein Vergleich zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschen Hochschulraum durchgeführt werden. Daher beschäftigt sich das Promotionsprojekt mit dem Strukturwandel der Universitätslandschaften im deutschen (europäischen) und dem US-amerikanischen Hochschulraum und den damit einhergehenden Veränderungen als eine Konsequenz verstärkten Wettbewerbs. Es soll die Frage beantwortet werden, inwiefern eine Amerikanisierung deutscher Hochschulen stattfindet und welche Konsequenzen dieser Wandel auf Karrieremuster und -chancen von Wissenschaftlern hat.

Die empirische Basis dafür bildet eine Verknüpfung von qualitativen und quantitativen Daten. Mit Hilfe von Interviews mit Studierenden und Professoren wird die quantitative empirische Basis (Daten zur Finanzierung und wissenschaftlichen Karrierewegen) erweitert. Mit der multiplen Korrespondenzanalyse – einem strukturentdeckenden Analyseverfahren - welches kategoriale Daten als eine räumliche Struktur visualisiert (Greenacre 1993; Blasius 2001), kann erfasst werden, wie sich die Universitäten im Hochschulraum positionieren und welche Veränderungen im Zeitverlauf beobachtbar sind. Abbildung 2 zeigt das Ergebnis einer solchen Analyse, in welcher Daten US-amerikanischer Universitäten geplottet wurden. Je größer die Distanz der Universitäten voneinander ist, desto größer ist der Unterschied bezüglich der Rankingposition und erhaltenen Gelder der National Science Foundation im Bereich Soziologie. Ein weiterer Faktor (welcher vor allem durch die vertikale Dimension bestimmt wird) ist der Unterschied privater und öffentlicher Universitäten.  

[Bildunterschrift / Subline]: Abbildung 2: Feld der US-Universitäten im Fach Soziologie (Multiple Korrespondenzanalyse)

Als theoretischer Rahmen wird Pierre Bourdieus Feldtheorie fungieren (Bourdieu 1987, 1992, 2004, 2006), welche sich als Konflikttheorie beschreiben lässt und eine Analyse von Konkurrenz innerhalb der jeweiligen Hochschulfelder ermöglicht. 

 

 

Ausgewählte Literatur 

Blasius, Jörg (2001): Korrespondenzanalyse. München: Oldenbourg.

Bourdieu, Pierre (1998): Vom Gebrauch der Wissenschaft: für eine klinische Soziologie des wissenschaftlichen Feldes. UVK Universitätsverlag Konstanz. 

Bourdieu, Pierre (1987): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Bourdieu, Pierre (1992): Homo Academicus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Bourdieu, Pierre & Wacquant, Loic (2006). Reflexive Anthropologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Engels, Anita (2006): Globalisierung der universitären Forschung. Beispiele aus Deutschland und USA. In: die hochschule 15(1): 115-133.

Eurostudent/Eurostat (2009): The Bologna Process in Higher Education in Europe. Key indicators on the social dimension and mobility. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communites.

Greenacre, Michael J. (1993): Correspondence Analysis and its Interpretation. In: Greenacre, Michael J. (Hrsg.), Correspondence analysis in practice. London u.a.

Hartmann, Michael (2010): Die Exzellenzinitiative und ihre Folgen. 

Hartmann, Michael (2007): Die Exzellenzinitiative – ein Paradigmenwechsel in der deutschen Hochschulpolitik. In: Leviathan 34 (2007), S. 447–465.

Kehm, Barbara M. (2011): Forschung zu Fragen der Internationalisierung von Hochschulen im Kontext des Bologna-Prozesses. In: Leszczensky, M., Barthelmes, T. (Hg.): Heraus-forderung Internationalisierung. Die Hochschulen auf dem Weg zum Europäischen Hochschulraum. Stand und Perspektiven. Dokumentation der 5. Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung am 29./30. April 2010 in Hannover. HIS: Forum Hochschule 8/2011. HIS: Hannover, S. 11-23. 

Kieser, Alfred (2010): Unternehmen Wissenschaft? In: Leviathan 38: 347-367. 

Leibfried, Stephan (Hg.) (2010): Die Exzellenzinitiative. Zwischenbilanz und Perspektiven. Frankfurt/Main, New York: Campus.


Wissenschaftlicher Werdegang
  • 2005-2010
  • Diplomabschluss im Fach Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
  • 2011-2012
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nationalen Bildungspanel (NEPS) in Bamberg
  • 2012-2013
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologie (insbesondere soziologische Theorie) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Preise und Stipendien
  • * Sechsmonatiges Fulbright Forschungsstipendium (Gastwissenschaftler an der University of Arizona, USA)