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Forschungsarbeit

Soziale Normen und Außenhandel

Von Dr. Bohdan Kukharskyy (19.09.2013)

Spätestens seit Adam Smith’s Basiswerk „Wohlstand der Nationen“ stellen sich die Außenhandelsökonomen zwei grundlegende Fragen: „Warum handeln die Länder?“, und „Welchen Einfluss hat der Außenhandel auf deren Wohlfahrt?“ Die bisherigen Arbeiten haben vornehmlich die Länderunterschiede im Hinblick auf die Technologie oder den Bestand an physischen Produktionsmitteln (z.B. Kapital und Arbeit) als Erklärungsgründe für die sogenannten komparativen Vorteile der Länder diskutiert.

Die neusten empirischen Studien zeigen jedoch, dass diese Faktoren nur einen Teil von Handels- und Direktinvestitionsströmen erklären können. Unterschiede in kulturellen und sozialen Normen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Meine Forschungsarbeit liefert einige Erklärungsansätze für diese neuen Befunde, die im Folgenden anhand von zwei Beispielen erläutert werden.

Betrachtet man z.B. die Rolle des Vertrauens, so zeigt meine empirische Studie einen positiven kausalen Effekt von länderspezifischen Vertrauensniveaus auf das Bruttoinlandsprodukt, wie auch auf Direktinvestitionseinflüsse. Michael Pflüger und ich liefern in unserem gemeinsamen Forschungsprojekt eine theoretische Erklärung für diese Befunde. Für den Fall, dass nicht alle Vertragsgegenstände vor Gericht vollständig nachgeprüft und durchgesetzt werden können, sind die Vertragsparteien auf die informellen Vereinbarungen auf der Vertrauens- und Reputationsbasis angewiesen. Wir zeigen, dass die Fähigkeit von Unternehmensleitern diese „Handschlagverträge“ mit ihren Kooperationspartnern einzugehen maßgeblich für viele Organisationsentscheidungen (z.B. Integration vs. Auslagerung einzelner Produktionsschritte) sind. Des Weiteren können die mit einer mangelnden Gerichtsverifizierbarkeit einhergehenden Ineffizienzen dank der informellen Verträge vermieden werden. Nimmt man eine makroökonomische Perspektive an, so lässt sich feststellen, dass Länder mit vertrauenswürdigeren Managern eine höhere Gesamtwohlfahrt erzielen. In einer Erweiterung dieses Modells habe ich ebenfalls gezeigt, dass vertrauenswürdigere Länder relativ mehr ausländische Direktinvestitionen anziehen als Länder mit einem geringeren Vertrauensniveau.

Eine weitere wichtige Rolle bei der Erklärung der neuen Befunde spielen Gerechtigkeitsvorstellungen. Laut Aristoteles stellt die Gerechtigkeit das Fundament jeglicher Gesellschaft dar. Er vertrat die Auffassung, dass eine gerechte Verteilung von Auszeichnungen und Belohnungen in Proportion zu dem erbrachten Beitrag stehen sollte. Viele soziologische Befragungen sowie experimentelle verhaltenswissenschaftliche Studien zeigen jedoch deutliche Länderunterschiede im Hinblick auf die Definition bzw. Wertschätzung einer gerechten Verteilung. In meiner Forschungsarbeit gehe ich der Frage nach, ob diese Länderunterschiede eine Auswirkung auf die Attraktivität der Staaten aus Sicht von Auslandsinvestoren haben.

Zu diesem Zweck habe ich ein einfaches Modell aufgestellt, in dem Endgüterproduzenten die Kooperation mit ausländischen Zwischengüterproduzenten mit Hilfe eines rigiden oder flexiblen Vertrags eingehen können. Der rigide Vertrag spezifiziert einen fixen Preis für die zukünftige Lieferung. Der Nachteil eines rigiden Vertrags besteht in der beschränkten Anpassungsmöglichkeit an die eventuellen Schocks. Die Reaktion auf diese Schocks wird durch einen flexiblen Vertrag ermöglicht, der eine Reihe von zukünftigen Zwischengüterpreisen spezifiziert. Der Nachteil flexibler Verträge hingegen ist eine etwaige Meinungsverschiedenheit bezüglich eines fairen Preises und die damit einhergehenden „Verhandlungskosten“. Als Hauptbefund dieses Modells stellt sich heraus, dass Länder, deren Manager im Sinne von Aristoteles fairer sind (d.h. einen Preis in Proportion zu ihrem Beitrag verlangen) einen höheren Flexibilitätsgrad der Verträge aufweisen werden. Da flexible Verträge die Anpassungsfähigkeit (und somit die Profitabilität) von Unternehmen steigern, sind Länder mit einem ausgeprägten Fairness-Verständnis attraktiver für ausländische Direktinvestitionen.


Scientific career
  • 2009-2012
  • Doctoral student at the BGPE, thesis title: "Essays on Trust, Contracts and Trade"
  • 2012-2013
  • Visiting Fellow at the Economics Department of Harvard University.
  • 2006-2008
  • Diploma in Economics, University of Passau
  • 2005-2006
  • Diploma in Business Administration, Dresden University of Technology

Scholarships and Awards (Excerpt)
  • * Fellowship for a research stay at Harvard, Bavarian Graduate Program in Economics
  • * Award for outstanding academic performance, German Academic Exchange Service
  • * Friedrich Naumann Foundation Fellowship