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Forschungsarbeit

Bier-Riskomanagement für Brauereien und Gastronomien

Von Julia Wiesent

Brauereien und Gastronomie brauchen andere Formen von Darlehen. Brauereien haben vor allem dann Hochkonjunktur, wenn viele Biergärten, Bierlokale und sonstige Gastronomien große Mengen von dem erfrischenden "Gerstensaft" verkaufen. Neben dem Einzelhandel bilden Gastronomiebetriebe den zweiten wichtigen Absatzkanal für Brauereiprodukte. Die Existenz von Gastronomiebetrieben hängt allerdings in den meisten Fällen von der Fähigkeit ab, Fremdkapital aufzunehmen. Da die Banken jedoch immer weniger das Risiko tragen wollen, sehen sich die Brauereien zunehmend gezwungen, diese Finanzierungslücke selbst zu schließen. Zur Sicherung ihrer Absatzkanäle unterstützen insbesondere große Brauereien den Betrieb von Gastronomien über die Vergabe von Krediten. Derzeit sind rund 70% aller deutschen Gastronomiebetriebe durch Brauereien finanziert.

In der Regel kauft der Gastronom eine bestimmte Menge Bier bei der Brauerei ein. Neben diesem klassischen Einkauf bezieht der Gastronom zusätzlich einen Kredit, der lediglich der Unterstützung des Kerngeschäfts, dem Bierabsatz, dient. Der Gastronom zahlt den Kredit über konstante Annuitäten im Rahmen eines Annuitäten-Darlehens an die Brauerei zurück. Auf den ersten Blick erscheint dieses Kreditmodell als die Lösung für die Absatzprobleme der Brauereien und die Finanzierungsprobleme der Gastronomen.

Julia Wiesent, Absolventin des Elitenetzwerk-Studiengangs Finance and Information Management (FIM), sieht jedoch Nachteile in dieser Art der Kreditvergabe. Während eines Praxisprojektes in einer großen deutschen Brauerei hat sie sich intensiv mit dem Finanzierungsmodell beschäftigt und stellt fest, dass bei der annuitätischen Darlehenstilgung keine Absatzschwankungen berücksichtigt werden. Das wirkt sich nachteilig für den Gastronom aus, der in absatzschwachen Perioden durch die konstante Annuität noch stärker finanziell belastet wird.

Die Lösung sieht die FIM-Absolventin in der Anpassung der Höhe der Darlehenstilgung an den Bierabsatz: Beispielsweise könnte der Gastronom in sonnenreichen Sommern bei vollen Biergärten höhere Rückzahlungen tätigen als etwa in kalten und verregneten Sommerperioden. Auf diese Weise könnten finanziell kritische "Bierflauten" leichter ausgeglichen werden und der Gastronom wird in schlechten Zeiten finanziell entlastet.

Ein entsprechendes Rückvergütungs-Darlehen, das eine variable Darlehensbedienung gekoppelt an den Bierabsatz vorsieht, hat Julia Wiesent zusammen mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität Augsburg entwickelt. Angesiedelt war das Projekt am Lehrstuhl für BWL, Wirtschaftsinformatik, Informations- & Finanzmanagement und am Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg (Lehrstuhl WI-IF, Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl).


Julia Wiesent, M.Sc. with honors
* 1980

Stationen
  • Wintersemester 2004/2005 bis 2006/2007
  • Finance and Information Management
  • Seit 2007
  • Seit Juli 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Professor Hans Ulrich Buhl in Augsburg, Doktorandin sowie Koordinatorin des Studienganges „Finance and Information Management“