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Forschungsarbeit

"True and fair view" versus Vorsichtsprinzip: Wie man die Anwendung unterschiedlicher Rechnungslegungsstandards in Deutschland an den Eigenkapitalkosten wiedererkennen kann

von Oliver Vogler

Mit der zunehmenden Internationalisierung der Wirtschaft begannen deutsche Unternehmen Mitte der 90er Jahre, eine Börsennotierung auch an ausländischen Kapitalmärkten, insbesondere den USA, anzustreben ("cross-listing"). Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die Bilanzierung nicht mehr nur den nationalen Regularien Rechnung tragen musste und diese Unternehmen somit ihre Konzernabschlüsse nicht nur nach heimischen Handelsgesetzbuch (HGB), sondern auch nach ausländischem Recht aufstellen mussten (z.B. US GAAP). Gleichzeitig gab es weltweite Harmonisierungsbestrebungen bezüglich der Rechnungslegungsstandards – das Projekt der International Financial Reporting Standards (IFRS) war geboren. Seit1998 hatten deutsche Unternehmen aufgrund des Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz die Option, ihren Konzernabschluss nur nach internationalen Regelungen (IFRS oder US-GAAP) anstatt nach HGB aufzustellen. Seit 2005 ist die Anwendung von IFRS (oder US-GAAP) aufgrund einer EU-Verordnung für kapitalmarktorientierte Unternehmen verpflichtend.

Portfolio-Bildung nach Buchwert, Marktwert und Rechnungslegungssystem im Zeitverlauf[Bildunterschrift / Subline]: Abbildung 1: Portfolio-Bildung nach Buchwert, Marktwert und Rechnungslegungssystem im Zeitverlauf

Folglich gab es zwischen 1998 und 2004 eine Reihe von Unternehmen, die entweder nach HGB, IFRS oder US-GAAP bilanzierten. Diese Rechnungslegungssysteme unterscheiden sich zum Teil deutlich hinsichtlich Ansatz, Ausweis und Bewertung. Zum Beispiel wird das deutsche HGB vom Vorsichtsprinzip dominiert, das Erträge eher zu gering und Aufwendungen tendenziell zu hoch erscheinen lässt. Demgegenüber streben IFRS und US-GAAP an, das tatsächliche Abbild der Unternehmung widerzuspiegeln ("true and fair view").

In der Literatur wird diskutiert, ob die Anwendung der unterschiedlichen Rechnungslegungssysteme Auswirkung die Renditeerwartungen der Investoren hat. Es liegt nahe, dass Investoren wohl eine höhere Qualität der veröffentlichten Unternehmenszahlen besser bewerten als intransparente Abschlüsse. Je schlechter die Qualität des Abschlusses, desto höher muss das entsprechende Risiko bepreist werden – die Renditeerwartung steigt. Eben diese Renditeerwartung wird aus Sicht des Unternehmens als Eigenkapitalkosten bezeichnet. Je höher die erwartete Rendite, desto höher sind die Kosten für Eigenkapital neue Investoren zu finden.

Porftolio-Renditen im Zeitverlauf[Bildunterschrift / Subline]: Abbildung 2: Porftolio-Renditen im Zeitverlauf

Die Arbeit "Analyzing the German Accounting Triad with an Enhanced Multifactor Model – "Accounting Premium" for IAS/IFRS and US GAAP vis-a-vis German GAAP" untersucht die Unterschiede zwischen den drei genannten Rechnungslegungsstandards hinsichtlich der Eigenkapitalkosten der Unternehmen. Ferner wird ein Multifaktorenmodell entwickelt, dass diese Unterschiede auffängt und somit die zu erwartenden Eigenkapitalkosten besser schätzen kann als konventionelle Modelle, wie das Capital Asset Pricing Model (CAPM) oder das modernere Fama-French Dreifaktorenmodell.

Die beiden Autoren zeigen, dass Unternehmen, die im Zeitraum von 1998 bis 2004 nach HGB bilanzierten, systematisch höhere Eigenkapitalkosten hatten als Unternehmen, die die moderneren internationalen Standards (IFRS bzw. US-GAAP) bevorzugten. Das entwickelte Multifaktorenmodell kann dieses "Accounting Premium" jedoch erklären und führt zu einer Verbesserung sowohl des CAPMs als auch des Fama-French Modells.


Oliver Vogler
* 1983

Stationen
  • 09/2003-08/2005
  • Studium der Internationalen BWL an der Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen-Nürnberg
  • 03/2005-11/2007
  • Studium im 7. Jahrgang der Bayerische Elite-Akademie, München
  • 09/2005-02/2008
  • Studium im "Honors"-Elitestudiengang der Universität Regensburg, Abschluss als Diplom-Kaufmann, Diplomarbeit "Cost of Equity Capital and Sorting Portfolios"
  • 08/2006-12/2006
  • Washington Semester Program "International Business and Trade", American University, Washington D.C., USA
  • 09/2007-12/2007
  • Gastforscher an der Humboldt-Universität zu Berlin, SFB 649 "Economic Risk", Berlin, http://sfb649.wiwi.hu-berlin.de

Veröffentlichungen
  • Ernstberger, J., & O. Vogler. 2008. “Analyzing the German Accounting Triad – ‘Accounting Premium’ for IAS/IFRS and US GAAP vis-à-vis German GAAP?” The International Journal of Accounting, forthcoming (http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=9846
  • Ernstberger, J., & O. Vogler. 2008. “Reply to Discussion of ‘Analyzing the German Accounting Triad – ‘Accounting Premium’ for IAS/IFRS and US GAAP vis-à-vis German GAAP?’” The International Journal of Accounting, forthcoming