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Aktuelles aus den Programmen

ENB FORUM: Das Surfen der “Digitalen Welle” bietet vielseitige Chancen

Die 10. Tagung „Bridging the Gap” und das anschließend stattfindende FORUM des Elitenetzwerks Bayern unter dem Motto „Grenzenlose Digitalisierung - eine Reise mit Chancen und Herausforderungen” boten in der Münchner Residenz 300 Gästen und spannenden Rednern eine Plattform, um sich dem Thema zu nähern.

Foto: Matthias Deininger

Bridging the Gap X

Foto: Matthias Deininger

Foto: Matthias Deininger

Foto: Matthias Deininger

Foto: Matthias Deininger

Beide Veranstaltungen wurden maßgeblich vom Abschlussjahrgang des Elitestudiengangs Finanz- und Informationsmanagement organisiert.

Unter „Digitalisierung“ ist nach Auffassung der anwesenden Redner nicht allein der vermehrte Einsatz von Technologie zu verstehen, sondern ein umfassendes Konzept, das ganze Geschäftsmodelle verändert und auch neue hervorbringt. Bei „Bridging the Gap X” wurde dieses Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet. So ist zum Beispiel das Smartphone aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Viele junge Startups begreifen diese Entwicklung als Chance und versuchen, sich mit innovativen Ideen auf neu entstandenen Märkten zu etablieren. Doch auch Konzerne und mittelständische Unternehmen befassen sich mit diesem Thema und überdenken ihre traditionellen Geschäftsmodelle.

Digitalisierung steht auf der politischen Agenda

Eine politische Einleitung zum Thema bot die Rede des EU-Kommissars für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft Günther Oettinger. In seiner Begrüßung sprach er über die Wichtigkeit multidisziplinärer Ausbildung und individueller Förderung im Kontext der Digitalisierung. Er begrüßte daher die hervorragende Ausbildung im Elitestudiengang Finanz- und Informationsmanagement an der Schnittstelle zwischen Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre. Daran anschließend gewährte der Bayerische Staatssekretär für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, dem Publikum einen Einblick in die Bestrebungen, die Vorreiterrolle der bayerischen Wirtschaft in der Digitalisierung weiter auszubauen, und skizzierte die Zielsetzungen der kommenden Jahre.

Virtuelle und reale Welt verschmelzen

Dass die Thematik der Digitalisierung für Politik wie Wirtschaft gleichermaßen von Belang ist, stellte Dr. Martin Petry, CIO von Hilti, unter Beweis. Als Auftakt zu den Vorträgen der Vertreter aus Wirtschaft und Praxis veranschaulichte er, wie die Digitalisierung sich auf das Produktportfolio des Baumaschinenherstellers auswirkt. In Zukunft können die Profigeräte zum Beispiel mit „predictive maintenance“ durchgehend von Hilti überwacht und ggf. vor Ort repariert werden, noch bevor ein Defekt auftritt. Auch Gerhard Fohringer, Leiter Digitalisierung bei Siemens, skizzierte in seiner Rede den Weg zur intelligenten Maschine, den Siemens mit großer Innovationskraft maßgeblich beeinflusst hat. Er sprach ebenso über die zunehmende Verbindung von virtueller und realer Welt, die in der Produktion der Zukunft verstärkt Einzug halten wird.

Daten als Währung der Zukunft

Daten werden heute in fast allen Lebensbereichen gesammelt und durch immer „intelligentere“ Algorithmen ausgewertet, um zur unternehmerischen Entscheidungsfindung beizutragen. Dabei stellt insbesondere die Vielfalt an Daten Computer und Menschen vor nie da gewesene Herausforderungen. Die veränderte Datenverarbeitung hat auch auf den Finanzsektor große Auswirkungen, bietet aber auch neue Möglichkeiten beispielsweise Kundenbedürfnisse besser zu identifizieren. Thomas Lechte, Partner der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft AG, erläuterte aus der Perspektive der Financial Services Division seine Sicht auf die Digitalisierung. Er stellte die Hypothese auf, dass mit dem stetig wachsenden Datenvolumen die Fähigkeit, Daten miteinander zu verknüpfen und auf das Wesentliche zu reduzieren, zunehmen muss. Nur eine integrierte Betrachtung über verschiedene Datenquellen hinweg ermöglicht seiner Ansicht nach fundierte und eindeutige Entscheidungen. Die geschickte Auswertung vorhandener Daten bietet ebenfalls das Potential um den Innovationsprozess in Unternehmen nachhaltig zu verbessern. Dr. Sebastian Schömann, Principal bei A.T. Kearney, verwies insbesondere auf die Fähigkeit, aus ersten Ideen in kurzer Zeit einen funktionsfähigen Prototyp umzusetzen.

Neue Vertriebsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle durch Digitalisierung

Dr. Klaus Driever, Leiter Digitaler Verkauf bei der Allianz Deutschland AG, verdeutlichte, dass auch die Vermarktung von Versicherungen im Zeitalter der Digitalisierung neue Wege gehen wird. Suchte der Kunde früher eine Filiale auf, um sich über Versicherungsprodukte zu informieren und diese abzuschließen, reicht heute dafür bereits ein Klick. Eine App ermöglicht es den Kunden ihre Versicherung zu jeder Zeit und von jedem Ort aus abzuschließen oder bei Bedarf direkt online den persönlichen Berater zu kontaktieren.

Start-Ups schaffen es, durch innovative Ideen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ein Beispiel hierfür ist IDnow. Das junge Unternehmen hat erkannt, dass das Postident Verfahren viel Zeit kostet und auch online gelöst werden kann. Als einer der Gründer beschrieb Fabian Lindner, wie mit IDnow die persönliche Identifizierung und Vertragsunterschrift auf digitalem Weg möglich ist. IDnow bietet Unternehmen und Institutionen eine innovative und plattformunabhängige Lösung zum sicheren und rechtskräftigen Vertragsabschluss mit Kunden ohne einen Medienbruch. Im nächsten Vortrag erläuterte Johannes Martens anschaulich, wie er gemeinsam mit seinem Team von ThinxNet „connected cars“ schon heute möglich macht. Durch ihre Lösung können Nutzer nicht nur 2 Cent pro Liter Kraftstoff sparen, sondern insbesondere Informationen zu Fahreigenschaften und dem Zustand des Autos bequem mit dem Smartphone abrufen. Das alles funktioniert mit einem standardisierten Adapter für den gesetzlich vorgeschriebenen ODB II Anschluss in Kraftfahrzeugen, der Kunden derzeit kostenlos zur Verfügung gestellt wird und dessen Auto in ein “smart thing” verwandelt.

Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg

“Bridging the Gap X” schloss mit einer Podiumsdiskussion, bei der Vertreter von Start-Ups, Beratungsunternehmen und Industriefirmen ihre Erfahrungen austauschten. Prof. Dr. Krcmar, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU München, der selbst die Digitalisierung vorantreibt, moderierte die Diskussion zwischen Johannes Martens (ThinxNet), Fabian Lindner (IDNow), Dr. Sebastian Schömann (A.T. Kearney) und Dr. Klaus Driever (Allianz Deutschland AG). Auf die Frage hin, wie man das Potenzial der Digitalisierung am besten nutzen könne, kam die Diskussionsrunde unter anderem zu dem Schluss, dass die Mentalität der Mitarbeiter in Unternehmen eine entscheidende Rolle spielt. Dies sei vor allem eine Frage der Balance zwischen etablierten Prozessen und kreativem Freiraum.

Vor der Digitalisierungswelle surfen

Zum zehnjährigen Jubiläum der durch FIM-Studierende organisierten Tagung fand diese in Kombination mit dem Elitenetzwerk Bayern (ENB) FORUM statt. Letzteres wird seit 2011 halbjährlich abwechselnd von verschiedenen Elitestudiengängen ausgerichtet. Die Redner des ENB FORUMs vereinten wirtschaftliche und akademische Perspektive der Digitalisierung gleichermaßen. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer ist einer der Väter der Wirtschaftsinformatik. Er berichtete rückblickend über sein beeindruckendes Lebenswerk und Erfahrungen, die er von der Promotion bis hin zur Gründung seiner Unternehmen sammelte. Er machte dem Publikum deutlich, dass es damals wie heute einer großen Portion Durchsetzungsvermögen bedarf, um neue Ideen voranzutreiben. So gelang es ihm sein ARIS-Konzept, eine zum damaligen Zeitpunkt revolutionäre Methode zur Geschäftsprozessvisualisierung und Abbildung des betrieblichen Informationssystems, gemeinsam mit SAP zu pilotieren. Zum Abschluss des Vortragsprogramms erörterte Prof. Dieter Kempf die Frage „Digitalisierung - nur ein Thema für Großunternehmen?”. Als Vorstandsvorsitzender der DATEV eG und ehemaliger BITKOM-Präsident kennt er insbesondere die IT Branche sehr gut. Seine Einschätzung bekräftigt, dass die Digitalisierung als Treiber disruptiver Entwicklungen auch vor Mittelständlern und Handwerksbetrieben nicht Halt macht sondern als Chance begriffen werden sollte. Durch anschauliche Beispiele untermauerte er seine Aussagen, etwa einem Online-Shop mit individuell angefertigtem Echtschmuck (3D Druck). Er empfahl Studierenden vor der Welle zu “surfen” und sich aktiv in die Digitalisierung einzubringen.

Das ENB FORUM bot seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Anschluss an die Vorträge die Möglichkeit zum Austausch. In einer Diskussionsrunde, moderiert von Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl, hatten die Anwesenden die Gelegenheit Fragen zu stellen und mitzudiskutieren. Von der Veränderung des Arbeitsmarktes und damit zusammenhängenden neuen Job-Profilen bis hin zum autonomen Fahren wurden viele Themen angesprochen. Mit einer wichtigen Aussage: „If you can’t beat them, join them” äußerten sich die drei Koryphäen der Wirtschaftsinformatik. Die Veränderung als Zustand zu begreifen und den Wandel aktiv mitzugestalten, sind gepaart mit einer interdisziplinären Ausbildung beste Voraussetzungen, die Digitalisierung als Chance willkommen zu heißen. Bei allen Möglichkeiten, die sich im Kontext der Digitalisierung bieten, darf aber auch deren ethische Perspektive nicht außer Acht gelassen werden. Die Entwicklung eines geeigneten Ordnungsrahmens kann mit dem raschen Voranschreiten der Technologie nicht Schritt halten, sodass es an jedem einzelnen ist, einen solchen Rahmen abzustecken. Denn nicht alles was heutzutage technisch möglich ist, ist auch gleichzeitig notwendig oder angemessen.

Beim abschließenden Conference Dinner im Theatinergang der Münchner Residenz bot sich in entspannter Atmosphäre die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen und interessante Gespräche mit den Referenten und Teilnehmenden zu führen.

Text: Timm Tränkler

veröffentlicht am