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Research Project

Weak Markets, Strong Teachers?

Von Markus Nagler (30.10.2015)

Lehrer spielen eine zentrale Rolle im Bildungssystem. Daher ist es entscheidend, talentierte Studenten für den Lehrerberuf zu gewinnen. Einerseits können gute Studenten zahlreiche alternative Berufe wählen. Andererseits sollten intrinsisch motivierte Personen den Lehrerberuf unabhängig von alternativen Jobmöglichkeiten ergreifen. In einer neuen Forschungsarbeit untersuchen wir, welchen Einfluss alternative Berufsmöglichkeiten auf die Qualität von Lehrern haben.

Eine zentrale Aufgabe der Bildungspolitik ist es, talentierte Abiturienten dazu bewegen, Lehrer zu werden. Besonders in den USA müssen Politiker mit dem Problem umgehen, dass vor allem die schlechteren Universitätsabsolventen (gemessen an kognitiven Leistungstests) den Lehrerberuf ergreifen. Daraus ergibt sich die Frage, welche Bedeutung die Bezahlung und alternative Karrieremöglichkeiten für die Qualität von Lehrern haben.

Zusammen mit Marc Piopiunik vom ifo Institut in München und Martin R. West von der Harvard University widme ich mich dieser Frage in einer neuen Forschungsarbeit für die USA. Dazu analysieren wir Daten von über 33.000 Lehrern im Bundesstaat Florida.

Die oben aufgeworfene Frage ist alles andere als einfach zu beantworten. Zunächst benötigt man ein gutes Maß für Lehrerqualität. Doch was macht einen guten Lehrer aus? Gute Noten alleine sicher nicht. Daher verwenden wir sogenannte Value-Added-Maße, die direkt ermitteln, wie viel ein Lehrer seinen Schülern in Mathematik bzw. Englisch in einem Schuljahr beibringt. Die Kompetenzen der Schüler werden dazu in standardisierten Tests gemessen. Diese Daten sind nur umständlich zu erhalten, aber zentral für die Beantwortung der Frage. Value-Added-Maße von Lehrern erhöhen laut jüngster Forschung nämlich unter anderem das spätere Einkommen, die Wahrscheinlichkeit, ein Studium zu ergreifen und verringern bei Mädchen die Wahrscheinlichkeit, als Teenager Schwanger zu werden. Sie sagen also Einiges über die Qualität von Lehrern aus.

Ein weiteres fundamentales Problem betrifft den Zusammenhang zwischen (relativen) Gehältern und Lehrerqualität. Eine Korrelation zwischen beiden Größen ist an sich nicht aussagekräftig, da der Zusammenhang beispielsweise durch ausgelassene Variablen wie etwa dem Bildungshintergrund der Eltern verursacht worden sein könnte. In unserer Arbeit verwenden wir daher den Konjunkturzyklus als Identifikationsstrategie: Der Lehrerberuf ist auch in den USA vergleichsweise sehr stabil. In Rezessionen sind die Anzahl offener Stellen und die Gehälter in alternativen Berufen also deutlich geringer als in Boomphasen. Dadurch wird der Lehrerberuf im Vergleich zu anderen Berufen attraktiver. Wir vergleichen dann die Value-Added-Maße von Lehrern, die während einer Rezession mit ihrem Beruf begonnen haben, mit Lehrern, die in Boomphasen Lehrer geworden sind.  Damit können wir den Einfluss von alternativen Karrieremöglichkeiten auf die Selektion potentieller Lehrer in den Lehrberuf bestimmen.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass Lehrer, die in Zeiten mit weniger alternativen Berufsmöglichkeiten angefangen haben, deutlich bessere Mathematiklehrer sind (bezüglich Lesekompetenzen ist der Zusammenhang schwächer). Das gleiche Ergebnis zeigt sich für verschiedene alternative Rezessionsmaße wie die Arbeitslosenquote, deren jährlicher Veränderung (siehe Grafik) oder das Wirtschaftswachstum. Kontrollvariablen wie das Geschlecht, das Alter bei Karrierebeginn oder Schulcharakteristika verändern die Ergebnisse nicht.

Die Forschungsarbeit hat wichtige Implikationen für die Bildungspolitik. Zum einen scheint die Bezahlung durchaus die Lehrerqualität zu beeinflussen. Sollen die Schüler besser unterrichtet werden, sollten die Gehälter von Lehrern konkurrenzfähig sein. Zum anderen scheinen Rezessionen eine gute Gelegenheit für den öffentlichen Sektor zu sein, seinen großen Vorteil auszuspielen: sichere Arbeitsplätze. Dadurch können im Durchschnitt bessere Angestellte gewonnen werden. Inwiefern sich die Ergebnisse auf andere Umstände (z.B. andere Länder) übertragen lassen ist Gegenstand zukünftiger Forschung.

Teaser-Foto: Sandra Rachinger


Scientific Career
  • February - March 2015
  • Visiting Research Fellow, Harvard Kennedy School
  • Since 2013
  • PhD Student in Economics 2013 (Supervisor: Monika Schnitzer), LMU Munich and Graduate Program Evidence Based Economics
  • 2012-2013
  • MSc in Economics, University College London
  • 2009-2012
  • BSc in Economics, LMU Munich

Awards
  • Volkswirte Alumni Club Young Economist Award, 2012;
  • DAAD Scholarship, 2012-2013