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Forschungsarbeit

Untersuchungen zur Schallabsorption von Bestuhlungen für Konzert- und Veranstaltungsräume

von Eva Müller (01.08.2012)

Zur Beurteilung der akustischen Qualität von Räumen gibt es eine Reihe subjektiver und objektiver, messbarer Kriterien. Das älteste und bis heute das wichtigste Beurteilungskriterium ist die Nachhallzeit – sie beschreibt, wie stark ein Raum bedämpft ist, wie er „klingt“. Die Nachhallzeit wird bestimmt durch das Raumvolumen und die Flächen und Absorptionsgrade verwendeter Materialien und – vor allem in Konzert- und Veranstaltungsräumen – des Publikums. Will man heute die Nachhallzeit eines neu zu bauenden oder zu renovierenden Veranstaltungsraums prognostizieren, stehen für die üblichen Materialien und Raumbegrenzungsflächen bereits Informationen über den frequenzabhängigen Schallabsorptionsgrad zur Verfügung. Ist das nicht der Fall, kann er relativ problemlos durch standardisierte Messverfahren in einem sog. Hallraum ermittelt und in beliebige Raumsituationen übertragen werden. Damit kann bereits in einem frühen Planungsstadium die Nachhallzeit hinreichend genau berechnet bzw. mit Hilfe von Computersimulation ermittelt werden. Die Absorberfläche jedoch, die die Nachhallzeit in den mittleren und hohen Frequenzen maßgeblich beeinflusst, ist auch die, deren Absorptionsgrad nicht ohne Problem ermittelt und in den Saal übertragen werden kann: Die Bestuhlung bzw. das Publikum.

 

[Bildunterschrift / Subline]: Bild 1: Messung der Schallabsorption der gleichen Stühle im Mehrzwecksaal. Messungen mit (echtem) Publikum wurden ebenfalls durchgeführt.

In der Diplomarbeit werden Zusammenhänge untersucht zwischen dem Schallabsorptionsgrad der für eine kleine Gruppe von Leichtpolsterstühlen im Hallraum gemessen wird, und der Schallabsorption, die für die gleichen Stühle, in größerer Anzahl, im Saal ermittelt wird. Dabei besteht eine der bisher größten Unsicherheiten darin, wie der verhältnismäßig große Randflächenanteil einer kleinen Stuhlgruppe im Hallraum im Vergleich zu dem kleineren Randflächenanteil der großen Bestuhlungsflächen im Saal berücksichtigt werden kann. Durch bisher geleistete Forschungsarbeit wurden zwei unterschiedliche, gängige Prüfmethoden etabliert: Die Messung von Stuhlgruppierungen mit unterschiedlichem Umfang zu Flächen sowie die Verhältnisse und die Ermittlung des „wahren“ Absorptionsgrades durch lineare Regression oder Messung einer Stuhlgruppierung in der Hallraumecke mit abgedeckten Seitenrandflächen. Dabei blieben bisher viele Einflussgrößen unerforscht.
Im Rahmen der Diplomarbeit wurde eine große Anzahl von Messungen im Hallraum durchgeführt, um unterschiedliche Einflussgrößen auf den Schallabsorptionsgrad zu untersuchen. Die Ergebnisse der zwei gängigen Messmethoden (Messung unterschiedlicher Umfang zu Fläche - Verhältnisse und Messung in der Hallraumecke mit Rahmen) werden miteinander und mit Ergebnissen zweier Saalmessungen (unbesetzt und besetzt) verglichen. Zudem wurden Computersimulationen (CATT Acoustics v.8) durchgeführt, u. a. um den Einfluss von Reflektionen und Beugung an den verwendeten Abdeckungen im Hallraum zu untersuchen.

 

[Bildunterschrift / Subline]: Bild 2: Messung der Schallabsorption von besetzten Stühlen eines Mehrzwecksaales im Hallraum. Die "Publikumsdummies" wurden speziell entwickelt und weisen die gleichen schallabsorbierenden Eigenschaften auf, wie ein durchschnittliches "echtes" Publikum.

Es konnte eine Mess- und Auswertevorschrift entwickelt werden, die es ermöglicht, den im Hallraum ermittelten Schallabsorptionsgrad bei der Berechnung bzw. Simulation der Nachhallzeit im geplanten Raum korrekt zu berücksichtigen. Zudem wurden weitergehende Einsatzmöglichkeiten der Computersimulation erschlossen, die in einer weiteren Arbeit genauer untersucht werden sollen.


Eva Müller
Eva Müller
* 1984

Stationen
  • 10/2006-02/2011
  • Diplomstudiengang Innenausbau, Fachhochschule Rosenheim

Beruflicher Werdegang
  • seit 03/2011
  • beratende Ingenieurin für Bau- und Raumakustik bei Müller-BBM, München
  • 10/2006-02/2011
  • Tutorin und studentische Hilfskraft am Lehrstuhl Statik und im Labor für Schallmesstechnik

Preise und Auszeichnungen
  • 10/2007-10/2010
  • Stipendiatin des Max-Weber-Programms
  • 09/2011
  • Kulturpreis Bayern der EON Bayern AG für Diplomarbeit