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Aktuelles

10.07.08

"Was will ich wirklich?" - Wege zum persönlichen Leitbild

Zukunftsangst und Unsicherheit sind nicht die besten Freunde der Absolventen und Berufseinsteiger. Sie sind trotzdem oft da. Paradoxerweise ist die überwältigende Vielzahl an Möglichkeiten häufig schuld daran. Und die omnipräsente Frage: „Was will ich wirklich?" Dieser Frage sind zwölf Promovierende und Studierende des Elitenetzwerks Bayern am 21. und 22. Juni im Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching unter der Leitung von Dr. Christian Richter nachgegangen.

Das Ziel des Workshops zum Thema „Mission Statement“ ist, eigene, besondere Fähigkeiten, Werte und Ziele zu erkennen und zu formulieren. „Mission Statement“ kann am besten als „Leitsatz“ oder „persönliches Leitbild“ übersetzt werden. Dabei handelt es sich um die persönliche Lebensaufgabe im Sinne von Beruf-Berufung. Der Leitsatz muss kurz und in einfachen Worten formuliert sowie in jeder Situation abrufbar sein. Es ist der Orientierungspunkt, an dem sich sämtliche Lebensentscheidungen messen und ausrichten lassen. Der besondere Nutzen für Hochschulabsolventen und Promovierende liegt in der Berufsfindungssituation. Wenn man eigene Stärken und Ziele erkennt, sieht man leichter, welches Unternehmen zu einem passt. Man bewirbt sich dann zielgerichteter und kürzt den Bewerbungszeitraum ab.

Der Leiter des Workshops Dr. Christian Richter hat in Salzburg, Paris und Berlin Jura und Betriebswirtschaft studiert. Nach zehn Jahren als Investmentbanker arbeitet er seit 1999 als selbstständiger Personal- und Unternehmensberater. Sein „Mission Statement“ lautet konsequenterweise: „Anderen zu helfen, ihre Mission zu finden“. Den zwölf jungen Menschen, die am schönen Ammersee Orientierung nach innen und nach außen suchten, hat Dr. Richter am Anfang des Seminars versprochen: „Ein bisschen klarer wird es ganz sicher werden“.

Seminarleiter Dr. Richter erläutert die Idee des "Mission Statement"

Doch zunächst wurde es sehr rätselhaft. Mal mussten wir uns mit den vier Elementen identifizieren, mal in die Zukunft, mal in die Vergangenheit blicken und immer wieder die „eingefahrenen Schienen des Denkens“ verlassen und in die Rolle eines 12-Jährigen schlüpfen. Besonders die mehrheitlich vertretenen Naturwissenschaftler versuchten eine Methode, eine Theorie oder einen roten Faden als ein rettenden Strohhalm zu finden. Dies gelang ihnen nicht und es war so beabsichtigt. Die Methode, durch die das „Mission Statement“ für jeden Einzelnen ermittelt wird, beinhaltet Fragen und Übungen, die Kopf und Bauch miteinander verbinden. Neben der Ratio wurde auch die kreativ-intuitive Seite in uns angesprochen. Man hatte immer eine leise, unsichere Vorahnung in welche Richtung man sich bewegt. Doch das letzte Teilchen des großen Puzzles wurde erst am zweiten Tag des Seminars an die richtige Stelle gelegt.

Aus den in Vorübungen gewonnenen Antworten wurden persönliche Einstellungen, Wünsche und Werte herausgefiltert. Bei manchen war es beispielsweise Willensstärke und Würde, bei anderen innerer Friede oder Glaube. Die Ergebnisse wurden in Adjektive,
Verben oder Subjektive gepackt und solange konzentriert, bis daraus ein
Satz entstand, der für jeden einzelnen eine authentische Kraft besaß. Es könnte für Außenstehende abstrakt und schwer nachvollziehbar sein, doch für sich selbst übt das „Mission Statement“ eine motivierende und positive Kraft aus.

Austausch und Rückmeldung in der Gruppe der Seminarteilnehmer

Für eine entspannte und produktive Arbeitsatmosphäre sorgte auch das wunderbare Sommerwetter. So wurde auch der Innenhof des Bayerischen Landwirtschaftshauses zu einem provisorischen Seminarhof umgewandelt. Am ersten Tag wurde das Geschehen kurzerhand an den Ammersee verlegt, wo unter schattenspendenden Bäumen intensive Selbstfindungsarbeit weitergeführt wurde. Aufgrund der zahlreichen Pausen und eines EM-Spieles am Abend gab es etliche genutzte Gelegenheiten zum persönlichen Austausch über die Grenzen der vertretenen Fächer hinweg.

„Wer ein Wofür im Leben hat, der kann fast jedes Wie ertragen“, sagte mal Friedrich Nietzsche und meinte damit, dass eine Sinnerkenntnis für das eigene Handeln eine enorme Kraft freisetzen kann. Kein Teilnehmer und keine Teilnehmerin des Workshops wird hoffentlich im zukünftigen Beruf etwas „ertragen“ müssen. Denn nach diesem Seminar werden sie sich alle klüger – und das heisst gezielter - bewerben und nur einen Beruf wählen, der auch wirklich zu ihnen passt. Es wurden uns keine vorgefertigten Antworten in die Hand gelegt. Dafür hat Dr. Richter Recht behalten und sein zu Beginn des Seminars gegebenes Versprechen einwandfrei gehalten: „Ein bisschen klarer wird es ganz sicher werden“. Ja, ein bisschen klarer wurde es. Und das ist wirklich eine ganze Menge.

Darius Černiauskas

Teilnehmer diskutieren
Seminarleiter Dr. Richter gibt Hilfestellung